Saisonthema: "virtuos - virtuell"

Als „Virtuose“ wurde bis ins 16. Jahrhundert der überaus gelehrte Musiker bezeichnet. Erst zwei Jahrhunderte später erhielt der Begriff seinen noch heute gebräuchlichen Inhalt und bezeichnet nurmehr den praktisch begabten, spieltechnisch herausragenden Interpreten (erster Virtuose in diesem Sinne war wohl der im 18. Jahrhundert lebende Geiger und Komponist Giuseppe Tartini). Virtuosität wird zum dominierenden Qualitätsmerkmal. Ihr opfert der Pianist Schumann die Sehne seines Ringfingers, den er erfolglos maschinell zu stärken suchte.

Virtuelle künstlerische Arbeit erscheint zunächst gegensätzlich: Vermutet man doch die virtuose Ausführung durch Maschine und Computer schon gesichert. Oder lässt sich auch hier Qualität im mehr oder weniger begabten und präzisen Umgang mit Daten und Information in Netzwerken und Datenspeichern messen? Das schnelle Bespielen moderner Kommunikationswerkzeuge, das virulente, intelligente Agieren im Spiel mit digitalen Rechnersystemen gewinnt nicht nur für die medial getragene Kunst bzw. Musik sondern auch im Alltag an Lebensbedeutung.

Die Themensaison „virtuos - virtuell“ wird einige ausgewählte künstlerisch-akustische Arbeiten vorstellen, von denen, wie auch in den vorangegangenen Saisons stets betont, nicht die explizite Illustration eines thematischen Inhalts sondern die Markierung einzelner Positionen in diesem Spannungsfeld erwartet wird.

Dem Publikum werden tiefergehende Haltungen der Künstlerinnen und Künstler zu Teilaspekten des Themas präsentiert und es wird nicht zuletzt mit diesem Thema einmal mehr der für die t-u-b-e typische sinnliche Musik- und Klanggenuss geboten.