Saisonthema: "Rituale"

Stand in der vergangenen Saison mit dem Thema harte H(ä)ngste das Spannungsfeld zwischen Erfolg und Versagen, Selbstbestimmung und gesellschaftlichen Konventionen im Mittelpunkt, so knüpft das Thema „Rituale“ unmittelbar daran an.
 

Sei es in religiösen, politischen oder scheinbar banalen Alltagszusammenhängen, Rituale spielen überall eine wesentliche Rolle, wenn es gilt, bestimmten Handlungen eine besondere Bedeutung zuzuweisen. War der Kunst früher verordnet worden, „die“ großen Rituale zu bebildern bzw. zu vertonen, so entdeckte die Moderne ­ mit der Entdeckung des Individuums ­ auch den Alltag und suchte ihn zu überhöhen.

Alltagsgegenstände und Alltagsgeräusche als Repräsentanten aktueller Wirklichkeitserfahrung wurden so als künstlerisches Material verfügbar. Damit erweist sich die Kunst zumindest als Paral-lelphänomen zu den „kleinen“ Ritualen des Alltags. Hier wäre nicht nur der berühmte Flaschen-trockner von Marcel Duchamp zu nennen, sondern vor allem auch die musique concrete, die für die Entwicklung der Klangkunst maßgeblich war.