Saisonthema: "Harte HÄngste"

„ … the qualification „beautiful“ or „ugly“ makes no sense for sound, nor for the music that derives from it; the quantity of intelligence carried by the sounds must be the true criterion of the validity of a particular music…“

Aus: Iannis Xenakis,1963-1992 “Formalized music: Thought and mathematics in composition."

Unter dem Titel „Harte HÄngste“ gruppieren sich mediale künstlerische Arbeiten und Produktionen innerhalb der ersten Saison der Galerie t-u-b-e. Thematisch montiert „Harte HÄngste“ zwei Achsen:

Die horizontale Themen-Achse beobachtet ein individuelles Verhalten auf die aktuellen wirtschaftlichen Umstrukturierungen. E-Manzipierte E-Lancer, die in Fernanwesenheit ihr Leben an einzelnen Projekten orientieren und optimieren und dabei im Projekt-Hopping auch mal honoriert millionenschwere Web-Projekte in den Sand setzen, bestimmen das moderne Bild erfolgreicher Menschen. Der „Fünfte Deutsche Trendtag“ (http://www.trendtag.de) postuliert in seinem Konzept: „Der Begriff Ich-AG steht für die Idee, die eigene Person als Aktiengesellschaft zu begreifen. Hintergrund ist die von Staat und Gesellschaft geforderte Haltung zu mehr Selbstverantwortung. Jeder habe sich als Lebensunternehmer zu begreifen und entsprechend für sein Wohl selber zu sorgen.“ Diese Suche nach vermeintlich neuen Wirtschaftsformen auf Kosten bisheriger sozialer Errungenschaften, die dadurch eingeforderte ICH-Bezogenheit und die damit zwangsweise einhergehende Singelisierung, das Gallopieren über die Erkenntnisse des Feminismus, fordert emotionale Reaktionen bei Akteuren und Gegnern, bei Frauen und Männern. Das diese Reaktionen bei den typischen Machern ungern als Ängste oder Unsicherheiten sich eingestanden und wahrgenommen werden, mag dem alten wie einem neuen Männerbild entsprechen.

Kunstschaffende haben in ihrer Arbeit und ICH-Findung diesen jetzt gesellschaftlichen Trend schon immer gelebt. Die wirtschaftliche Abhängigkeit vom individuellen eigenen Marktwert ist plötzlich das Leitbild ordinären wirtschaftlichen Handelns geworden. Die Reflektion hierüber und das Beschreiben dieser Selbst-Situation bilden die vertikale Achse des Themas. Das Vor- und Zurücktreten in Bezug auf die eigene Arbeit, die zum individuellen „Outing“ gehörenden Ängste, das Spielen mit Identitäten interessiert. Es stellt sich dabei die Frage, ob ein solches Künstlerbild zwischen Ideenfabrik und Sponsorsuche doch nur noch eine Spezialisierung im alltäglichen Berufsleben darstellt.