Programmvorschau November / Dezember 02
 

Live Event!
Donnerstag, 31. Oktober bis Samstag 2. November, jeweils 20.30 Uhr

digitalanalog 2: durch klang und raum

digitalanalog, gedacht als Werkschau etablierter und weniger etablierter Musiker, Autoren und Videokünstler, möchte diesmal zwischen verwandten Sparten der E-Musik und der elektronischen Musik eine Brücke schlagen und Berührungspunkte aufdecken. Kompositionen der neuen Musik treffen auf kreative Ergebnisse innovativer Elektroniklabels, Videokünstler und Autoren. Der hohe Anteil hiesiger Künstler zeigt, dass Münchens Szene lebt.

Donnerstag, 31.10.02
t-u-b-e
Lesung: Ralph Summer (Zündfunk München)
Live: Leander Kaiser and The Four Stroke Roll Percussion Ensemble, Axel Frank Singer, Silly Antics, Bortz & Schelzeg, Herzwerk
Visuell: Albert@qnut.org
Einsteinhalle
Live: Mutant Liberation Front, Nyquist, Enik, Perdexis
Visuell: Wunderlampe (Netzhaut)
Haidhausenhalle
Dekathlon Labelnacht: Zombie Nation, Generation Aldi, Remute

Freitag, 1.11.02
t-u-b-e
Lesung: Gerhardt Lassen
Live: Leander Kaiser and The Four Stroke Roll Percussion Ensemble, Ernst Horn und Sabine Lutzenberger (Helium Vola/Chrom Records, München), Robert Görl (DAF München), dutch acidy & the stardust kid (Soca International)
Visuell: Highflyer VJ Team
Einsteinhalle
Live: Staircurve (Johannes Pollwein), Spenza (delete Records Berlin), Ferri Borbás (Ferri Fox Records Berlin),
Visuell: Double Visions

Haidhausenhalle
"Erkrankung durch Musik" Labelnacht: Dj Mooner (Erkrankung Munich), Dj Electric Sheep (aka Cloink, Sellwell/MFOC/Heimelektro-, Munich);
Live: Virtual Orgasm (aka The Rip Monks), live:Mix Mup (Erkrankung Leipzig);
Visuell: schönere welt (München)

Samstag, 2.11.02
t-u-b-e
Lesung: Roderich Fabian (Zündfunk/München)
Live: Bernhard Weidner, Helga Pogatschar & Karoly Koller "Nachtkarst 3D" (Hörspiel mit 3d-Visualisation von Frank Radefeldt), H Kreijci M., Electriccity Through Aux Out, Diska (Echokammer München)
Visuell: Frank Radefeldt (Dark Glow Visuals)
Einsteinhalle
Live: Stupor, Steak, Steril
Visuell: Futurfoto (Dieter Schnabl)
Haidhausenhalle
Heimelektro Ulm Labelnacht: _filbert (Ulm), e.stonji (aka shift) (cheap/park.net/duftplatten/heimelektro ulm), michael langlois (sub static, raum..musik, playmade, duftplatten, heimelektro ulm), senderfreies berlin (heimelektro ulm, berlin/hannover), bernd karner (heimelektro ulm duftplatten muenchen)
Ultraschall
Live: SUPER_COLIDER rise robots rise brighton.barcelona.berlin, CRISTIAN VOGEL no future barcelona, N-DAKAR (tba), AXIM TERENTJEV ultraschall münchen, grüner raum, FC SHUTTLE ultraschall münchen, DR KERN 002

Projektionen im EINSTEIN Foyer über alle drei Tage von MoritzR




Donnerstag,7., Samstag, 9. und Montag, 11. November, jeweils 20.30 Uhr

Werkschau - Radiophone Arbeiten von Lou Mallozzi

Radiophone Arbeiten, Teil I
- Aquapolis, 8-Kanal-Klanginstallation
- Things in their place
- Lingua Franca


Freitag, 8. und Sonntag, 10. Oktober, jeweils 20.30 Uhr

Werkschau - Radiophone Arbeiten von Lou Mallozzi

Radiophone Arbeiten, Teil II
- Pass
- Radiophagy

Live Event!
Donnerstag, 14. November, 20 Uhr

Vom Hörspiel zum AudioHyperspace
Ein Gang durch die Geschichte der Akustischen Medienkunst
kuratiert und präsentiert von Sabine Breitsameter


Von Anfang an hat das Hörspiel als genuine Kunstform des Radios das technologische, konzeptuelle, poetische und metaphorische Potenzial seiner Apparatur thematisiert und künstlerisch verarbeitet. Das, was Jahrzehnte später mit dem Begriff Akustische Medienkunst umrissen wird, hat seine Wurzeln in den "Audio-Visionen" des damals neuen Mediums Radio, namentlich in Prinzipien wie Vernetzung, Zweiwegkommunikation und Interaktion.
Seit Oktober 2002 präsentiert die t-u-b-e in loser Folge eine Reihe von Hörspielen und Tondokumenten aus der Geschichte des Radios, welche die zentralen Aspekte der neuen vernetzten elektroakustischen Räume vorwegnehmen und künstlerisch-radiophon umsetzen.


Teil II
Hörspiel: Raum der Verzweigung und Bulletin-Board
Die fünfziger und sechziger Jahre
Mit einer Einführung von Sabine Breitsameter


Günter Eichs Hörspiele der 50er Jahre als "konservative Klassiker" zu kategorisieren, ist eine recht undifferenzierte Zuschreibung. In zumindest einer Hinsicht ist Eich sehr aktuell: Etliche seiner Stücke thematisieren die erzählerische Option, die Verzweigung des narrativen "Auf-die-Reihe-Bringens": Was wäre passiert, wenn... Was könnte passieren, falls ... Immer wieder scheinen diese Motive in Eichs Hörspielen auf. Geschickt spielen sie mit nicht-linearen Prinzipien, geben zuweilen gar dem Protagonisten, stellvertretend für den Hörer, Gelegenheit, die selbe Geschichte neu, in einer alternativen Version zu erzählen.
Vorgestellt werden: Geh nicht nach El Kuwehd (1956) und Die Mädchen aus Viterbo (1953). Doch manchen Autoren der sechziger Jahre, die sich damals gegen als autoritär empfundene Konventionen auflehnen wollten, war das nicht genug. Sie forderten, ganz im Sinne der emanzipatorischen Brecht'schen Radiotheorie, dass aus dem "passiven" Rezipienten ein operativ tätiger Sender werden sollte. Nur: Wie ließ sich das im Hörspiel, das ans Broadcast-Medium Radio gebunden war, umsetzen? - Richard Heys Hörspiel "Rosie" (1968) gab den Hörern Gelegenheit, den Verlauf des Stücks per Mehrheitsabstimmung zu entscheiden. Zwei alternative Handlungen standen zur Wahl. Gleichzeitig waren die Hörer aufgerufen, in Telefonaten ausführlich ihre Meinung zum Thema zu veröffentlichen und mit den Moderatoren der Sendung zu erörtern.
Parallel zu diesen Hörspielen sollen Ausschnitte weiterer Stücke präsentiert und beispielhafte multioptionale Hörstücke aus dem Internet vorgeführt werden.

Die vorgestellten Hörstücke sind wie folgt in der t-u-b-e zu hören:

15., 21. und 24.11.02
"Tiger Jussuf", von Günter Eich
"Die Mädchen aus Viterbo", von Günter Eich

19. und 22.11.02
"Geh nicht nach El Kuwehd", von Günter Eich
"Rosie", von Richard Hey

20. und 23.11.02
"Der Meinungscontainer", HR 1982,
"Von Gastgebern und Gästen", von Luca Lombardi und Hans-Günther Dicks



Live Event!
Samstag, 16. November 2002, ab 20 Uhr

KLANGFORMUNG.DE - Die Elektronik-Party von MEMI & oszillator.de

20.00 - 21.00: Karl F. Gerber [Performance/Klanginstallation, algorithmic electro-scapes]
21.00 - 22.30: DJ Lothi [trip-hop, downbeat, lounge]
22.30 - 23.30: Blackfish [ambient, downbeat, chillout]
23.30 - 02.00: Untertage [deep house, electronic beats, trance]

MEMI, das Magazin für Elektronische Musik im Internet, oszillator.de und das PRINZ-Magazin München präsentieren mit "Klangformung.de" eine einzigartige Mischung aus Live- und DJ-Electronics. Zentraler Act ist die Frankfurter Ambient-/Downbeat-Formation "Blackfish", die in ihrer außergewöhnlichen Performance elektronische Chillout-Tunes mit echten Drums, Percussion, Live-Bass und DJ-Scratching verbindet.

Als Special Guest schließt der Ex-Physiker und Ex-Jazzer Karl F. Gerber seinen Elektro-Kontrabass an den Computer an und dirigiert damit live die Mehrkanal-Elektronik "From Scratch'n'Bass to Soundscapes in Echtzeit".

Abgerundet wird die elektronische Reise durch zwei DJ-Acts: DJ Lothi präsentiert eine zeitgemäße Mischung aus Downbeat-, Lounge- und Trip-Hop-Tunes. Das DJ-Team "Untertage" wird abschließend die t-u-b-e mit Electronic Beats
und Deep-House-Sounds rocken ...

Weitere Informationen unter
www.Klangformung.de


Montag, 25. November bis Sonntag, 1. Dezember, jeweils 20.30 Uhr

Internationale Erzähltage - Zuhören zwischen den Kulturen

Hörstücke in der t-u-b-e Klanggalerie
Seit zwei Jahren werden in der t-u-b-e Klanggalerie neben Klanginstallationen und Audio-Performances regelmäßig Hörspiele und Hörstücke präsentiert. Zu den "Internationalen Erzähltagen München" werden Produktionen vorgestellt, die sich in verschiedener Weise mit dem Erzählen beschäftigen und in der Regel für die Übertragung im Rundfunk geschaffen wurden. Die spezielle Dramaturgie solcher Produktionen und der Einsatz radiophoner Effekte führt zu einer komplexen kinohaften Wahrnehmung reiner akustischer Darbietungen.



Montag, 25. November 20.30 Uhr

Far West News
Hörstück von Luc Ferrari


Teil 1: Von Santa Fe bis Monument Valley (30 Min)
mit einem Nachspiel von Brunhild Meyer-Ferrari (15 Min)
Teil 2: Von Page bis Grand Canyon (30 Min)
mit einem Nachspiel von Brunhild Meyer-Ferrari (12 Min)
Teil 3: Von Prescott bis Los Angeles (28 Min)
mit einem Nachspiel von Brunhild Meyer-Ferrari (16 Min)

Realisation: Luc Ferrari und Brunhild Meyer-Ferrari
Produktion: Atelier post-billig für NPS Hilversum, 1998/99
Deutsche Fassung: SWR 2000

"Ein Komponist, der ein sonderbares Leben voller instrumentaler und elektroakustischer Kompositionen führt, beabsichtigt, als Spezialist des Wandermikrofons, eine aleatorische Reise in den amerikanischen Süd-Westen. Diese Reise fand statt im September 1998. Tag um Tag entfaltet sich die Route, im fahrenden Automobil (Mietwagen) werden die Tonaufnahmen datiert, die Orte angegeben, Tag um Tag entstehen Begegnungen mit Klängen, mit Menschen, Tag um Tag wird Leben gewebt. Zurück nach Paris und nach Abhören der Aufnahmen verschärft sich die Kontur einer Realisation in drei Episoden: von Santa Fe bis Monument Valley, von Page bis Grand Canyon, von Prescott bis Los Angeles. Aber es ist weder eine Reportage, noch eine Klanglandschaft, noch ein elektronisches Werk, noch ein Portrait, noch .... - Der Untertitel könnte lauten: >Klangpoesie nach der Natur.<" (Luc Ferrari)

Luc Ferrari, geboren 1929 in Paris, arbeitet in Paris als Komponist für Konzertsaal, Radio und Film. Zahlreiche Hörstücke, zuletzt "Far West News" (1998-2000).


Dienstag, 26. November 20.30 Uhr

Unter den Fluegeln von Abaddon
Hörspiel von Duska Perisi´c-Osti
aus dem Serbokratischen von Angela Richter

Regie: Annette Jainski
Produktion: SWF 1996 (52 Min)

In den Erinnerungen der vierzigjährigen Psychologin Alisa, die vor dem Bürgerkrieg aus Sarajewo geflohen ist, werden die Lebensgeschichten dreier Frauen aus drei Generationen lebendig: Da ist die Großmutter Sara, bei der Alisa die ersten Lebensjahre verbringt. Sara hat das KZ überlebt, a-ber die Beziehung zu ihrer Familie verloren. Sie zieht sich immer mehr in ihre Erinnerungen an die Jugend im Wien der zwanziger Jahre zurück. Alisas Mutter Nina lebt in Sarajewo und wartet jahrelang auf ihren Mann, der in einem kommunistischen Lager verschwunden ist. Als Alisa Sarajewo verlassen muss, wiederholen sich in ihrem Leben die Erfahrungen der Mutter und Grossmutter, deren Leben von Nationalismus, Vertreibung und Heimatlosigkeit bestimmt war.


Mittwoch, 27. November 20.30 Uhr

Sonophonie - Kakophonie
Klangstück von Jens W. Gantzel


Die Arbeiten des kanadischen Akustikers und Komponisten Murray Schafers und ein Textfragment Peter Sloterdijks bilden den Hintergrund für dieses experimentelle Hörstück. Es folgt einem klassischen Aufbau mit Vorspiel und drei Sätzen, dessen Tempo jedoch beständig zunimmt. Gantzels Arbeit ist eine Collage aus Geräuschen, Musik und Sprache, die zum Lauschen, Hören und Überhören herausfordert, um sich menschlicher Entwicklungsgeschichte mit den Ohren zu nähern. In diesem Hörstück sind im Hintergrund kurze Fragmente aus einem Werk von Brian Eno zu hören.
(Ursendung: 28. Juni 2002, DeutschlandRadio Berlin)


Donnerstag, 28. November 20.30 Uhr

Oder die glücklose Landung
Hörstück von Heiner Goebbels
nach Texten von Joseph Conrad, Heiner Müller und Francis Ponge


Regie: Heiner Goebbels
Produktion: SWR 2000 / Théâtre des Amandiers / TAT 1993 (78 Min)
Musik/Komposition: Heiner Goebbels, Boubakar Djebate

Als das Schlagwort von der "Festung Europa" die Runde machte, realisierte Heiner Goebbels in Paris mit traditionellen afrikanischen Balladensängern ein Stück, das die Angst vor der Fremde und das Grauen der europäischen Kolonisation zum Thema macht, aber zugleich ein Gespräch über Bäume ist. Joseph Conrads Kongo-Tagebuch, Heiner Müllers Text "Herakles 2 oder die Hydra" und "Das Notizbuch vom Kiefernwald" von Francis Ponge beschreiben den (Ur-)Wald sowohl als mütterlich lockende Vegetation wie als bedrohliche Matrix, die den Protagonisten verschlingt. Neben Ernst Stötzner als Sprecher wirken mit Sira und Boubakar Djebate, die einer senegalesi-schen Dynastie von Griot-Sängern entstammen, und die französischen Musiker Xavier Garcia, Alexandre Meyer und Yves Robert. Die Produktion wurde 2002 mit einer Weltmedaille bei den New York Festivals und beim Prix Marulic-Festival mit einem Spezialpreis ausgezeichnet.

Im Anschluss:

Ein Bild, das wir Zeit nennen
Klangkomposition von Heiner Goebbels
nach Texten aus "Timaios" von Platon unter Verwendung einer Klanginstallation
im Auftrag des IRCAM/ Centre Pompidou
Realisation: Heiner Goebbels
Produktion: SWR 2002/ IRCAM 2000 (33 Min)
Musik/Komposition: Frédéric Voisin


In Platons Dialog "Timaios" hält der Titelheld eine Rede über die Entstehung der Welt: Darin beschreibt er auch, wie aus dem Lauf der Gestirne Tag und Nacht, Monat und Jahr hervorgegangen sind und damit die Zeit. Sätze, die am Beginn des europäischen Nachdenkens über die Zeit stehen und in der Klanginstallation von Heiner Goebbels in sechs europäischen Sprachen zu hören sind. Ausschließlich aus diesen Sätzen gehen durch elektronische Bearbeitung Klänge hervor: eine Komposition ohne Instrumente, die sich wie in planetarischen Umlaufbahnen um den Text im Zentrum verbreitet. Aus jeder der sechs Sprachen gehen in diesem Text-Universum andere Klangwelten hervor.
Zur Pariser Millenniums-Ausstellung im Centre Pompidou entwickelte Goebbels im Auftrag des IRCAM seine erste Klanginstallation, die der SWR im selben Jahr 2000 auch im ZKM Karlsruhe präsentierte. Was er im Pariser Experimentalstudio aus dem Sprachmaterial in aufwändigen Granularsynthesen entwickelte, ist für den stereophonen Klangraum des Radios zu einer Klangkomposition geworden, die den Sampler-Pionier Heiner Goebbels auf neuen Wegen zeigt.


Freitag, 29. November 20.30 Uhr

Die Wüste Lop Nor
von Raul Schrott

Hörspielbearbeitung von Michael Farin
Mit Sylvester Groth (Erzähler), Michael Maertens (Raoul), Peter Fricke (Török), Julia Stemberger (Elif), Karin Eickelbaum (Töröks Frau), Sussan Deyhim (Gesang)
Ton: Hans Scheck
Musik: Ulrike Haage
Realisation: Barbara Schäfer, Ulrike Haage
Regieassistenz: Martin Trauner
Produktion Bayerischer Rundfunk 2000 (67 Min)
Hörbuch: der Hörverlag

Die Wüste Lop liegt in der unberührten, ungefähren Mitte der Erde, an ihrem Rand ein ausgetrockneter See. Das Haus liegt auf einem Hügel. In einem Zimmer stehen ein Eichentisch und eine Truhe; in der Fensternische liegen ein Pinienzapfen, ein Cri-Cri und ein Stein. Einmal in der Woche nimmt Raoul Louper den Bus nach Kairo, und damit aber sind wir schon mitten in der Geschichte.
Die Geschichte erzählt von Wahlverwandtschaften, von der Liebe und den Reisen, die zu Elif, Francesca und Arlette und von ihnen wieder fort führten, von einzelnen Augenblicken und vom Verfließen der Zeit. Sie erzählt, poetisch eindrücklich und in äußerster Einfachheit, von den Orten, wo es sogenannte "singende Steine" gibt, vom Treibsand, von Küstenstrichen und Wüsten. Ulrike Haages Komposition erzählt mit dem Gesang Sussan Deyhims von diesen Klängen.
Fast wie von allein verknüpfen sich die Stränge und Handlungsfäden dieser Geschichte, die von der Mitte des Lebens und von drei Frauen berichtet, nicht zuletzt aber vom Fremden. Und die Fragen beginnen: Woran erinnert der Pinienzapfen? Was ist ein Cri-Cri? Woher stammt der Stein? Worum eigentlich kreist das Gespräch an diesen Abenden in Kairo? Und vor allem, wer ist der Erzähler dieser Geschichte.


Samstag, 30. November 20.30 Uhr

Die Farbe der Worte
Kalendergeschichten von Rafik Schami (Auszüge)
Erzählt von Rafik Schami

Produktion: Westdeutscher Rundfunk Köln, 1999
Hörbuch: der Hörverlag

Der Orient lebt, er lebt in seinen Erzählungen, Fabeln und literarischen Bildern. Wer, wenn nicht Rafik Schami, kann davon erzählen? Und er erzählt, fabuliert über sein Leben, damals, als Kind in Damaskus, über seinen Großvater, über Land und Leute. Er erzählt jene kleinen Geschichten, die den Orient lebendig werden lassen, und jene, in denen wir uns selbst erkennen. Rafik Schami selbst liest u.a. aus "Der ehrliche Lügner", "Eine Hand voll Sterne", "Der Fliegenmelker" und "Reise zwischen Nacht und Morgen".
Rafik Schami wurde 1946 in Damaskus geboren. 1971 kam er nach Deutschland, studierte Chemie, promovierte, arbeitete in der Industrie und tat, was er seit seiner Jugend in seiner Muttersprache getan hatte: Er schrieb, nunmehr auf Deutsch. Schami wurde mit vielen Literaturpreisen ausgezeichnet, u.a. dem Adalbert-von-Chamisso-Preis, Hans-Erich-Nossack-Preis, Hermann-Hesse-Preis und dem Prix de Lecture.


Sonntag, 1. Dezember 20.30 Uhr

Tausendundeine Nacht
Hörspiel von Helma Sanders-Brahms
1. bis 3. Nacht (Auszüge)


Sprecher: Eva Mattes, Jürgen Hentsch, Ulrich Mühe, Michael Maertens, Otto Sander
Regie: Robert Matejka
Produktion: Deutschland Radio, 2002
Hörbuch: der Hörverlag

Der Henker wetzt schon das Schwert, mit dem er Schah-Razade, wie allen ihren Vorgängerinnen, im Morgengrauen den Kopf abschlagen soll. Aber sie, mit dem Todesmut der Dichterin, beginnt zu erzählen - und wandelt von Erzählung zu Erzählung den barbarischen Sultan in einen immer zivilisierteren Herrscher. Und Schah-Razades Geschichten sind verschlungen wie die Muster auf dem Perser-Teppich, auf den sich die Sprecher Eva Mattes und Jörg Gudzuhn vor dem Mikrophon lagern. Ihre entspannte Haltung verrät schon etwas über die Kunst der Inszenierung: Sie wahrt jene sinnliche Atmosphäre der Rahmenerzählung, in der der Regent an Schah-Razade geschmiegt im Bett liegt und ihren Märchen lauscht.
Die Märchen aus 1001 Nacht werden im Bett erzählt, weshalb sie sich ideal für Hörspiele eignen, die man sich zu später Stunde anhören möchte. Bereit entführt zu werden in eine untergegangene Welt voller Geräusche und Klänge, in glitzernde Basare, auf einer Planke im Meer treibend oder neben den Springbrunnen der Paläste ruhend - in der Vorstellung wenigstens, die das Hörspiel mit über 22 Stimmen beflügelt. Die Musik von Günter Baby Sommer unterstützt mit Trommeln, Flöte und Gong die suggestive Stimmung der exotisch-sinnlichen Ferne, die unser Ohr mit dem Orient verbindet.
Helma Sanders-Brahms, 1940 in Emden/Ostfriesland geboren, gehört zu den wichtigsten Spielfilm-regisseurinnen. "Tausendundeine Nacht" ist ihre erste Hörspielarbeit, wobei ihr vor allem daran lag, den oft verschleierten erotischen Charakter der Geschichten wieder hervorzuheben.



Live Event!
Donnerstag, 5. Dezember 2002, 20 Uhr

Weltklang
Electronic Music - Moving Electronics - Electronic Street Music
Klangperformance von und mit Richard Aicher, Andreas Merz, Dieter Doepfer

Seit über 20 Jahren produzieren die beiden Elektronauten Richard Aicher und Andreas Merz, zusammen "Weltklang", an ihren überaus eigenwilligen Klanggebilden. Weltklang ist groß geworden mit Gruppen wie Kraftwerk, Tangerine Dream, Klaus Schulze, u. a.. Doch im Gegensatz zu diesen entlockte Weltklang seinen tonnenschweren Analog- und später Digitalelektronikburgen immer harte und rauhe, beat- und klangorientierte Songs, vielleicht die Vorläufer dessen, was heute Industrial und experimenteller Techno genannt wird. Einhergehend mit der Verkleinerung der Gerätschaften entwickelte Weltklang konsequent eine Idee weiter, genannt "Moving Electronics" oder "Electronic Street Music". Zusammen mit dem Publikum bewegen sich die Künstler entlang einer bestimmten Wegstrecke, oder bei "Moving Events", innerhalb des Publikums und des öffentlichen Raumes. So empfiehlt die t-u-b-e an diesem Abend: Gehen Sie zunächst zur U-Bahnstation Max-Weber-Platz und treffen Sie auf die Klangwanderung, geführt von Andreas Merz und Richard Aicher. Erst danach beginnt die Veranstaltung in der t-u-b-e zusammen mit dem Münchener Elektronik-Instrumentenbauer Dieter Doepfer! Mehr Infos: www.weltklang-music.de

Live Event!
Samstag, 7. Dezember 2002

Klang - Raum
Performance mit akustischen Instrumenten und 12 Lautsprechern
Von und mit Limpe Fuchs und Andres Bosshard


Limpe Fuchs und Andres Bosshard sind Spezialisten für die Gestaltung von Klangräumen und bedienen sich dabei sehr unterschiedlicher Mittel. Während Fuchs für die Tonerzeugung ganz auf ein analoges Instrumentarium setzt (Spinett, Holzhörner, Holzkugeln, Klangbleche) bringt Bosshard einen Laptop, kombiniert mit Verstärkern und einem speziellen mehrkanaligen Lautsprecher-Setup, zum Klingen. Natürliche Töne, Geräusche und Stimme entwickeln sich im elektronischen Klangraum. In dieser akustischen Installation beschwören die beiden Künstler, bei sich wie bei den Zuhörern, die eigenen Imaginationen und Erinnerungen.

Limpe Fuchs, Perkussionistin und Komponistin, arbeitet seit 30 Jahren im Konzert- und Klangthea-terbereich.

Andres Bosshard (Zürich, Köln, Wien), Musiker und Klangarchitekt, arbeitet kontinuierlich mit dem IGNCA in New Delhi zusammen. Der äusserst vielseitige Künstler begann als Maler und realisierte eine Reihe von Aktionen bevor er sich dem experimentellen Musiktheater zuwandte, Klanginstallationen realisierte, eigene live-ektronische Musikinstrumente entwickelte und im Bereich der Impro-visationsmusik arbeitete.

Live Event!
Donnerstag, 12. Dezember 2002, 20 Uhr

Der Schrei des Spiegels
Audioperformance
Christofer Varner (Posaune - Shell - Didjeridoo - Dung Chen)
Phil Durrant (powerbook, live processing)


Inspiriert durch die Ausstellung "Surrealism - desire unbound" in der Londoner Tate Modern Galerie, entwickelte Christofer Varner die Idee zur Performance "Der Schrei des Spiegels". Die Nähe seiner "archaischen" Ausdrucksmittel zu den surrealen "Traum - Phantasien" war für ihn offensichtlich. Varner und sein Partner Phil Durrant entwickelten eine Struktur, in der Klänge und Geräusche eine raumgreifende Kraft entwickeln konnten. Sie experimentierten und schufen klingende surreale Traumlandschaften, die in ihrer Energie den impulsgebenden Bildern der Ausstellung entsprechen sollten.
In ihrer Performance "Der Schrei des Spiegels" kombinieren sie archaische Instrumente (Muschel, Didjeridoo, Dung Chen) und die Posaune, als Weiterentwicklung dieser Urinstrumente, mit den heutigen Methoden elektroakustischer Klangerzeugung über Sampler und Computer. Themen, Kompositionen oder Spielarten, mit denen Christofer Varner sich während der letzten 10 Jahre auseinandergesetzt hat, tauchen als Fragmente auf. Phil Durrant prozessiert live die von Varner erzeugten Klänge und steuert Samples bei, die während der letzten Jahre entstanden sind.
Phil Durrant (*1957) studierte klassische Violine und Klavier in London. Seit 1977 ist er als Musiker (Software Synth./Sampler, Live Electronics, Violine)und Komponist in vielen Projekten tätig. In der experimentellen und der improvisierten Musik ist er Partner so berühmter Künstler wie Derek Bailey, John Butcher, Radu Malfatti, Thomas Lehn, Evan Parker, John Zorn, Phil Minton, John Russel, Tom Cora u. a.. Er arbeitete als Komponist und Musiker auch mit verschiedenen Choreografen zusammen.
Christofer Varner (*1960), Posaunist und Komponist, studierte an der Musikhochschule München und erhielt weiterhin Unterricht bei Jimmy Knepper und Bill Dobins. Er spielte in unterschiedlichen Ensembles bevor er sich unter dem Einfluß von Vinko Globokar ganz der zeitgenössischen Musik und der Improvisierten Musik zuwandte. Varner arbeitete mit Musikern wie Hans Koch, Michael Riesler, Jörg Widmann, Barry Guy, Giancarlo Schiaffini, Salome Kammer oder Hans Joachim Hespos, machte Theatermusiken, u.a. für Ruedi Häusermann und Hörspiele z.B. mit Gunter Gerlach.

Live Event!
Freitag, 13. Dezember 2002, 20 Uhr

Werkschau: Ludger Brümmer
Le temps s´ouvre, für Video und 4 Kanal Band
Xronos 18min, für Video und 4 Kanal Band
Phrenos, für 4 Kanal Band
Inferno der Stille, für 8 Kanal Band


Mit physikalischen Modellen können neben der Klangerzeugung auch mechanische Spielmaschinen hergestellt werden, die komplette kompositorische Strukturen erzeugen. Dabei werden den klingenden Teilen der Modelle langsam aber komplex schwingende Pendel oder Saiten hinzugefügt, so dass rhythmische Muster mit einer differenzierten Lautstärkestruktur entstehen können. Die Spielorganismen verhalten und bewegen sich völlig selbstständig und scheinen lebendig, obwohl es sich nur um virtuelle mechanische Animationen handeln, die natürlich auch sichtbar gemacht werden können. Verwendet wird dazu die vom ACROE in Grenoble entwickelte und mit Hilfe des ZKM Karlsruhe zugänglich gemachte Software Genesis.

Ludger Brümmer (geb. 1958) studierte Komposition bei Nicolaus A. Huber und Dirk Reith an der Folkwang Hochschule Essen. Er komponierte die Musik für die international aufgeführten Ballette "Ruhrort" (Susanne Linke Kompanie) und "!Tristan und Isolde!" (Nederlands Dans Theater, Den Haag), Choreographie Susanne Linke. 1996-2000 arbeitete er mit dem Installationskünstler und Architekten Christian Moeller zusammen, u.a. für Ausstellungen in Tokio, Lissabon und im Science Museum London.
Von 1991-1993 war er DAAD Stipendiat am "Center for Computer Research in Music and Ac-coustics", an der Stanford Universität Kalifornien. Er setzt die im CCRMA begonnene Arbeit am Zentrum für Kunst und Medien (ZKM) Karlsruhe und am Institut für Computermusik und elektronische Medien (ICEM) der Folkwang Hochschule Essen fort. Unter anderem war er Donzent bei den Darmstädter Frühjahrskursen 2000 und 2001. Nach der Forschungstätigkeit von November 2000 als Research Fellow an der Kingston University London ist er nun Professor für Komposition am Sonic Art Research Centre, der Queen`s Universität Belfast.
Er erhielt unter anderen den Prix Ars Electronica und den Pierre d`Or in Bourges 1997 und 2001.

Der Eintritt zu den Veranstaltungen in der t-u-b-e ist frei
Das aktuelle Programm wird im Internet unter www.t-u-b-e.de und im Fließsatz der Tagespresse veröffentlicht.

Programmänderungen vorbehalten.