Programmvorschau Oktober-Dezember  01

Im Oktober wird die t-u-b-e den Künstlern Lenz Schuster, Niel Mitra und Volker Rommel für Raumklangexperimente zur Verfügung gestellt.

Donnerstag, 18.10.01 ab 20.00 Uhr
Präsentationen

Besetzung:
Niel Mitra: PC
Lenz Schuster: PC und 03D
Volker Rommel: pbg3

 

Donnerstag, 1. November und Montag, 5. November
jeweils 20.30 Uhr

Volle Kraft zurück!/
Polnyj povorot krugom
Hörspiel von Andrej Tarkovskij nach William Faulkner

Musik: Vjatscheslav Ovtschinnikov
Regie: Andrej Tarkovskij
Produktion: Gosteleradio Moskau 1964
Teil-Synchronisation: U. Gerhardt, SWF 1995
mit einem Nachwort von Aleksandr Scherel
115 Minuten

Auf verzweifelt-übergeschnappte Weise reagiert der 17jährige Marineleutnant Hope auf die To-desgefahren, denen er im ersten Weltkrieg bei Torpedo-Einsätzen an der Kanalküste ausgesetzt ist und denen er schließlich erliegt. Durch ihn habe er erst verstanden, was Krieg sei, sagt der amerikanische Flieger-Captain Bogart, der Ich-Erzähler in Tarkovskijs einzigem Hörspiel, das im Moskauer Rundfunk 1964 nach seinem ersten Kino-Film "Ivans Kindheit" entstand, in dessen Zent-rum bereits ein Kind-Soldat des zweiten Weltkriegs steht.  - Im Umgang mit Musik und authenti-schen Geräuschen war das Hörspiel wegweisend für Tarkovskjis Entwicklung. Mit dem Vorwurf des Pazifismus behaftet, verschwand es in den Tresoren der sowjetischen Zensurbürokratie, bis es Aleksandr Scherel wieder entdeckte.

Andrej Tarkovskij | (1932-86) wurde von der internationalen Kritik als wichtigster russischer Filmre-gisseur nach Eisenstein gefeiert, geriet in  zunehmenden Druck der Zensur und emigrierte 1983 in den Westen. - Neben Filmen weitere Drehbücher und Essays. 
 

Freitag, 2. November und Dienstag, 6. November
jeweils 20.30 Uhr

Friedrich Hölderlin empfängt niemanden mehr!
Hörspiel von SAID

Musik: Peter Zwetkoff
Regie: Hans Gerd Krogmann
Produktion: SWR 2001
ca. 60 Minuten

Friedrich Hölderlin, 37 Jahre alt, hat den Turm im Hause der Familie Zimmer in Tübingen bezogen. Er beginnt, seine Besucher Majestät zu nennen, oder er nennt sie Eminenz und Geheimrat und bietet ihnen wie einen Imbiss Gedichte an, die er mit "Scardanelli" unterschreibt. Friedrich Hölder-lin hat den allmählichen Rückzug aus der Wirklichkeit längst angetreten, der nun noch dreißig Jah-re lang bis zu seinem Tod andauern wird. An dieser Schnittstelle seiner Biographie empfängt der Dichter des "Hyperion" einen Gast, dessen Fremdheit die eigene frühe Leidenschaft für das ferne, fremde Griechenland spiegelt. Der Gast, der aus dem imaginierten Land der Poesie und einem früheren Jahrhundert zu kommen scheint, könnte aber ebenso gut aus einem späteren Jahrhun-dert zu Besuch bei Hölderlin sein.

Said, geboren 1947 in Teheran, musste bereits als Jugendlicher von siebzehn Jahren Iran verlas-sen und lebt seit 1965 in München, z. Zt. Präsident des PEN-Zentrums der BRD. Zahlreiche Lyrik und Prosaabende u.a. "Liebesgedichte" (1989); "Wo ich sterbe ist meine Fremde" (1994), "Notizen aus meinem Exil" (1995). Hörspiele u.a. "Landschaften einer Mutter" (NDR/SWF1996), "Sir Alfred, Exterritorial" (SWF1997).
 
 

Samstag, 3. November und Mittwoch, 7. November
jeweils 20.30

High
Hörspiel von Dirk Spelsberg

Musik: Hans Platzgumer
Regie: Ulrich Lampen
Produktion: SWR 2001
60 Minuten

Es ist die Geschichte eines Mannes, der als Sohn eines Waffenschiebers aufwächst, der Faszina-tion des Geldes erliegt und sich wiederfindet in einem Gestrüpp moralischer, familiärer, erotischer und krimineller Irrungen. Und so kulminiert die Geschichte: Brian Jones steht auf dem Balkonsims im 40. Stockwerk eines Bankgebäudes. Himmel und Abgrund sind die letzten Koordinaten seines Lebens. Fragmentarisch rauschen Personen und Stationen vorbei: Charles und Philipp, die Brüder und deren Tod und Selbstmord von Brücken; Heaven, die Cousine und Schwester, Freundin, Ma-gierin und Schutzengel zugleich; Clarice, die alternde Geliebte und die dunklen Geschäfte ihres Mannes Leo, der Heaven im Flugzeug abschiessen lässt. Auf verschiedenen Ebenen tauchen Motive auf und schaffen ein Netz von Verweisungen und Verwebungen der einzelnen Fragmente. Stürze allerorten. Das Ziel liegt im Abgrund.

Dirk Spelsberg, geboren 1954 in Altena/ Westfalen, schrieb Theaterstücke, Prosa, Hörspiele, zu-letzt "Einer von diesen Tagen oder Sweet Home Alabama" (SWR 1999).
  
 

Sonntag, 4. November und Donnerstag, 8. November
jeweils 20.30

Hochzeitsreise
Ein Vaudeville von Vladimir Sorokin

aus dem Russischen von Barbara Lehmann
Hörspielbearbeitung: Friederike Roth
Regie: Walter Adler
Produktion: SDR 1996
78 Minuten

Mascha, eine emigrierte russische Jüdin, Tochter einer hochdekorierten ehemaligen Majorin des NKWD, lernt in Paris Günther von Nebeldorf kennen, den Sohn des ehemals berüchtigten SS-Kommandeurs Fabian von Nebeldorf. Zwischen der leichtlebigen Mascha und dem von Schuldge-fühlen zerfressenen Günther entwickelt sich eine seltsame Liebes-, Heils- und Unheilsgeschichte. Sorokin selbst bezeichnet sein Stück als "Pop-Art der Trivialität". Themen wie Naziverbrechen, die Judenfrage und Schuldtraumata treibt er in seinem neuen Stück absichtsvoll ins gleichzeitig kit-schig Banale und lächerlich-schaurig Groteske.

Vladimir Sorokin, geboren 1955 in Moskau, lebt in Moskau. Sowohl als Romancier wie als Erzähler und Dramatiker fand er seit Ende der siebziger Jahre unter den russischen Untergrundliteraten und seit den achtziger Jahren auch im westlichen Ausland schnell Anerkennung und Wertschätzung. Zuletzt erschienen die Romane "Norma" (1999) und "Der himmelblaue Speck" (2000). Hörspiele: "Die Schlange" (SDR 1990); "Ein Monat in Dachau" (SDR 1993).
 

Diese Reihe findet in Zusammenarbeit mit dem SWR Hörfunk statt.
Wir danken herzlich.
 
 

 
Live Event!
Donnerstag, 22. November 2001, 20 Uhr

Judy Dunaway (USA)
Audio-Performance

Ursrpünglich als Gitarristin in der New Yorker Avantgarde-Rock-Szene aktiv, macht Judy Dunaway seit den 90er Jahren mit ihren "Ballon-Performances" Furore. Dabei benutzt sie Gummi-Ballons unterschiedlichster Form und Größe als Klangerzeuger, denen sie durch entsprechende Mikrophonierung und Spieltechniken unerwartete Klänge entlockt. Judy Dunaway arbeitete mit so exponierten Musikern wie John Zorn, Anthony Braxton oder Butch Morris u.a. zusammen, scheut sich aber auch nicht vor extravaganten Experimenten, etwa bei einem Schubert Abend gemeinsam mit dem Flux Quartett aus New York.

Judy Dunaway studierte Komposition bei Alvin Lucier und Ron Kuivila. Für ihre Arbeit erhielt sie zahlreiche Preise und Stipendien und ist derzeit Gastkünstlerin am ZKM Karlsruhe. Eine Vielzahl ihrer Arbeiten ist mittlerweile auf CDs erschienen.
 

Donnerstag, 6. Dezember 2001, 20.30 Uhr
Freitag, 7. Dezember 2001, 20.30 Uhr
Samstag, 8. Dezember 2001, 20.30 Uhr
Sonntag, 9. Dezember 2001, 20.30 Uhr

„Vom Abgrund nämlich ...“
Hörspiel von 48 nord
Eine Paraphrase von Gustav Mahlers Symphonie Nr. 1 “Titan”, sowie des gleichnamigen Romans von Jean Paul, einschließlich des komischen Anhangs: “Des Luftschiffers Giannozzo Seebuch - ein Almanach für Matrosen, wie sie sein sollten”
Mitwirkende
Sprecher: Ruth Geiersberger, Ulrich Müller, Howard Cooper
Musik: 48 nord (Werner Hofmeister, Ulrich Müller, Siegfried Rössert)
Toningenieur: Ralph Bienzeisler
Buch und Regie: 48 nord
Produktion: Bayerischer Rundfunks, Laboratorium für Musik, 22.10.1996
Redaktion: Wolf Loeckle

Nur wenige Jahre nach der Französischen Revolution erzählt Jean Pauls Roman “Titan” parodistisch vom Scheitern der Utopie seiner Epoche, den Bürger zu inthronisieren und mit ihm die Literatur an die Macht zu bringen. Vor allem im komischen Anhang “Des Luftschiffers Giannozzo Seebuch” wird dies deutlich.
85 Jahre später und 40 Jahre nach dem Scheitern der bürgerlichen Revolution nimmt sich Gustav Mahler in seiner ersten Symphonie dieser Thematik an und wählt programmatisch Jean Pauls Romantitel für seine Symphonie. Doch trotz des berühmten dritten Satzes, den Mahler als grelles Puzzle aus verschiedensten vorgefundenen Materialien gestaltet, taucht er seine Symphonie ins Licht des Erhabenen, für das der “hohe Ton”, ein lang gehaltenes A zu Beginn der Symphonie, steht.
Dieser hohe Ton ist auch das Leitmotiv dieses Hörspiels. Freilich bleibt er nicht in der Sphäre des Erhabenen, sondern wird äußerst unsanft auf die Erde herunter geholt. Er wird mehr oder minder falsch gesungen und gegrölt oder erscheint als Bordun, über dem sich eine Musik erhebt, die mehr mit Punk als Symphonik zu tun hat. Der Text ist eine Collage von Zitaten aus dem “Titan” und dem komischen Anhang. (ca. 25 Min)

Im Anschluss:

„Eismitte“
Hörspiel von 48 nord
nach Motiven aus dem Tagebuch von Johannes Georgi, sowie aus Texten von Rene Char und Simone Weil
Mitwirkende
Werner Hofmeister (drums, percussion, live electronics), Ulrich Müller (guitar, DJ-tools, live electronics), Siegfried Rössert (bass, DJ-tools, live electronics), Ruth Geiersberger & Thomas Dehler (Sprecher)
Produktion: 48 nord mit SR und BR

Grönland, 23. Juli 1931: Der Meteorologe Johannes Georgi, Teilnehmer von Alfred Wegeners Grönland-Expedition bereitet sich auf seine Rückkehr in die Zivilisation vor. Seit dem 30. Juli 1930 war er ohne Unterbrechung in der Wetterstation Eismitte im Inlandeis Grönlands gewesen. Davon fast 4 Monate in vollständiger Einsamkeit, der einzige Mensch im Umkreis von 400 Kilometern Eiswüste. In dieser Zeit schrieb Georgi ein Tagebuch, das ebenso von seiner Einsamkeit und Entbehrungen zeugt, als auch von seiner intensiven wissenschaftlichen Tätigkeit. In dem Hörspiel „Eismitte“ ging es 48 nord weniger darum, Georgis Tagebuch zu vertonen, sondern vielmehr diesem Dokument einer Extremsituation mit einer musikalischen „Erfindung“ zu begegnen, die inspiriert ist von einzelnen, teilweise hochexpressiven Gedankenfetzen Georgis einerseits und der Beschreibung des stereotypen Rhythmus seiner Tätigkeiten andererseits. Dabei entstand eine Musik, deren Ausdrucksskala von geräuschhaften, frei atonalen Momenten, bis hin zu peitschender Rockmusik reicht. Dazwischen immer wieder vertraute Klänge aus unserer Alltagswelt, die wie akustische Erinnerungssplitter in die lebensfeindliche Einsamkeit der polaren Einsiedelei Georgis eingespiegelt werden.
Eismitte wurde von HR und Deutschlandradio Berlin übernommen, sowie in der Originalbesetzung beim Jazz&More-Festival in München und dem Schichtwechsel-Festival in Völklingen live aufgeführt. (ca. 50 Min)
 
 

Live Event!
Freitag, 14. Dezember 2001, 19:45 Uhr

Bayern2Radio live aus der t-u-b-e

>con’tinuo<
Ars Acoustica – Stück von Norbert Walter Peters
Live-Performance mit
Dirk Rothbrust (Perkussion), Anton Lukoszevieze (Cello) und Ruth Geierberger (Performerin)

>Con’tinuo< lautet der mehrdeutige Titel einer Arbeit des in Aachen lebenden Komponisten Norbert Walter Peters aus dem Jahr 2000. Leitmotiv von >con'tinuo< ist die ANIMA/Seele mit den Teilaspekten des chinesischen Orakels „I GING“ (das Befragen der Seele/der ANIMA); der Verlust der ANIMA, fassbar in Claudio Monteverdis Oper „Orfeo“ und der Figur >S< der ANIMA im Kreisdiagramm des mittelalterlichen Alchimisten, Dichters und Philosophen Ramon Llull.

Die Instrumentalisten, der in Norfolk/GB lebende Cellist Anton Lukoszevieze sowie der Kölner Perkussionist Dirk Rothbrust, musizieren vornehmlich auf einer Geräusch-/Klangebene. Die experimentell erarbeiteten Körpergeräusche, wie sie die Performerin Ruth Geiersberger (München) erzeugt, ziehen bewusst das Moment der Irritation ins Kalkül. Die menschliche Stimme tritt nicht in artikulierter Form in Erscheinung. Ziel des Komponisten ist dabei eine Verschmelzung von Körper- und Instrumentalgeräusch.

Norbert Walter Peters studierte zunächst Musiktheater und Gesang, Gitarre und Renaissance-Laute, später Komposition bei Herbert Nobis an der Staatlichen Musikhochschule Rheinland. Neben seiner Tätigkeit als Musikrezensent und freier Journalist wandte er sich verstärkt der Bildenden Kunst zu und konzipierte und organisierte verschiedene Performances und Klanginstallationen. Zahlreiche Kompositionsaufträge u.a. für die Donaueschinger Musiktage und den Steirischen Herbst / Graz belegen den internationalen Rang der umfassenden künstlerischen Arbeiten von Norbert Walter Peters.
 

Der Eintritt zu den Veranstaltungen ist frei
Das aktuelle Programm wird im Internet unter www.t-u-b-e.de und im Fließsatz der Tagespresse veröffentlicht.

Programmänderungen vorbehalten.