Saison Herbst / 07
"Hybrid"

Live-Elektronische Klänge begegnen Field Recordings, dazwischen scheinen Bruchstücke historischer Musikaufnahmen auf. Es wird remixt, resampelt und nicht selten treten noch akustische Instrumente hinzu. Es wird gekreuzt, kombiniert - wird aus analogen wie digitalen Materialien geschöpft, mit vielfältigen Methoden prozessiert um schließlich durch Membranen, Räume oder Netzwerke zum Publikum zu finden. Diese Aufzählung beschreibt eine aktuelle Tendenz der Klangkunst, in der höchst unterschiedliche Klangmaterialien und musikalische Methoden gekreuzt werden. Hybrid meint also eine Hinwendung zur Klangvielfalt wie gleichermaßen eine Abkehr vom Purismus. Es ist ein Reflex auf die mediale Allgegenwart von Musiken und Klängen unterschiedlichster stilistischer, geographischer und historischer Herkunft und der Art und Weisen ihrer Erzeugung. Dabei verweist der Begriff "hybrid" keineswegs notwendigerweise auf einen Stilpluralismus, wie er etwa die Postmoderne prägte, sondern (per definitionem) auf ein aus verschiedenen Arten oder Prozessen zusammengesetztes Ganzes, das einen je ganz eigenständigen Charakter hat. Die t-u-b-e Saison "hybrid" zeigt anhand ausgewählter Klangkunstprojekte Tendenzen und Methoden auf, wie solche "Sound-Bastarde" durch Kombination und Wucherung artfremder Methoden und Instrumentarien ihr höchst spannendes und je individuelles Eigenleben entfalten.

Die Konzerte der Reihe ad hoc music, an der die t-u-b-e auch in diesem Jahr wieder als Kooperationspartner beteiligt ist, fügen sich nahtlos in das Thema ein.

Live Event!
Donnerstag, 13.09.2007, 20 Uhr

Bernhard Gal
laptop

Der 1971 in Wien geborene Komponist, Künstler und Musikwissenschafter Bernhard Gál (a.ka. gal) zählt zu den international aktivsten und vielseitigsten Klangkünstlern der jüngeren Generation. Neben seinen Aktivitäten als Komponist und Installationskünstler realisiert Bernhard Gál seine Musik selbst auch konzertant, mit dem Laptop und anderen elektronischen Klangerzeugern, bzw. Klangbearbeitungsgeräten.

Die Materialien seiner Solo-Performances basieren auf einer umfangreichen Klangdatenbank, die beständig wächst und damit auch kontinuierliche Veränderungen und Variationen seines Repertoires ermöglicht. Dabei greift Gál nicht nur auf sein Reservoire an Klängen zurück, die er im Studio für seine CD-Produktionen entwickelt, sondern ebenso auf Field Recordings oder Fragmente aktueller Musik. Diese Klangmaterialen werden live zu hybriden Kompositionen verwoben.

Bernhard Gal betreibt das Plattenlabel "Gromoga Records" und leitet die österreichische Kulturinitiative "sp ce". Er lebt als freischaffender Künstler in Wien und Berlin, wo er auch an der Universität der Künste Klangkunst unterrichtet. Seine Werke wurden in Europa, Asien, Nord- und Südamerika präsentiert und auf bisher ca. 25 Tonträgern veröffentlicht.

Eintritt frei

Live Event!
Dienstag, 16.10.2007, 20 Uhr

ad hoc music: Charlotte Hug & 48 nord
Charlotte Hug (viola)
Siegfried Rössert (e- und kontrabass, elektronik)
Ulrich Müller (e-gitarre, elektronik)

2006 hat Charlotte Hug mit dem Konzert, das sie in der t-u-b-e gemeinsam mit Frederik Blondy (piano) spielte, großen Eindruck hinterlassen. 2007 präsentieren wir erstmals die Kolaboration der charismatischen Schweizerin mit dem Münchner Elektroniker-Duo 48 nord.

Charlotte Hug, Bratschistin, Performancekünstlerin und Zeichnerin, vereinigt in sich eine erstaunliche Vielzahl von Talenten, die sie im Laufe ihrer ebenso vielseitigen Ausbildung und durch ihr langjähriges Wirken als Künstlerin ständig weiterentwickelt und perfektioniert hat. Sie ist Mitglied und Solistin des London Improvisers Orchestra, arbeitete mit dem Schweizerischen Zentrum für Computermusik zusammen und spielte u. a. mit John Butcher, Maggie Nicols, Evan Parker, Barry Guy, Eliot Sharp, Irene Schweizer und Phil Wachsmann. Darüber hinaus ist sie mit ihren visuellen Arbeiten auf Ausstellungen vertreten, hält Vorträge und ist als Gastdozentin an Universitäten und Kunsthochschulen tätig.

Mit einer bemerkenswerten Spieltechnik erzeugt sie hoch dramatische Klangbögen, in die sie von Zeit zu Zeit sehr fein ihre Stimme mischt. So lässt sie wahrlich bewegende Musik entstehen, die luftig und voll Energie die Mitspieler sucht, manchmal verführt und auf jeden Fall herausfordert (www.charlottehug.ch).
Gegründet 1998, hat 48nord heute einen internationalen Ruf als Formation für experimentelle elektroakustische Musik. Siegfried Rössert und Ulrich Müller arbeiten konsequent in improvisatorisch-kompositorischen Prozessen, entwickeln Strategien und Strukturen für möglichst offene klangliche Systeme. Charakteristisch ist das Zusammenwirken von Instrumentalspiel und elektronischer Klangerzeugung, bzw. Soundprocessing. Seit 2003 besteht eine Zusammenarbeit mit dem amerikanischen Posaunisten, Elektroniker, Komponisten und Musikforscher George Lewis, mit dem sie unter anderem beim "Sounds Like Now"-Festival in New York sowie dem "Controindicazioni"-Festival in Rom gastierten und, zusammen mit dem Perkussionisten Wolfram Winkel, für Deutschlandradio-Kultur die radiophone Komposition "Terminus" realisierten. Seit 2006 besteht eine Zusammenarbeit mit dem italienischen Choreographen Jacopo Godani, für dessen Produktionen im Bayerische Staatsballett, im Nederlands Dans Theater und in der Oper Toulouse sie komponierten (www.48nord.de).

Eintritt 14,- € erm. 10,- €

Live Event!
Donnerstag, 18.10. 2007, 20 Uhr

Matthias Mainz
REALTIME RESEARCH feat. Alex Gunia und Joker Nies
"small, low, solo and so I No. 7
- EXTENDED AND RAW"

Drei Solisten, denen das herkömmliche Ausdrucksspektrum ihrer Instrumente schon lange nicht mehr genügt: Das Münchener Konzert der Reihe "small, low, solo and so" des REALTIME RESEARCH Projektes um Trompeter Matthias Mainz führt drei Musiker aus der Improvisationsszene zusammen, die die ursprünglichen Klänge ihrer Instrumente nur noch als Ausgangsmaterial betrachten, das attackiert, verfremdet, verfeinert, überhöht wird. Brizzelige Elektrosounds treffen auf digitales Processing und Circuit Bending.

Matthias Mainz hat dazu seine Trompete elektronisch erweitert. Die um speziell für ihn entwickelte elektronische Module und Interfaces ergänzte Trompete erlaubt ihm ein ähnlich komplexes Spektrum an Sounds und Geräuschen, das auch Alex Gunia mit seinem extended Guitar- Sound- Treatment als Experimentierfeld auslotet. Joker Nies hingegen setzt auf Raw Electronics, greift gezielt bis gewaltsam in die elektrischen Gedärme seiner Geräte und erreicht mit seinen Circuit Bending Manipulationen insbesondere bei Live-Auftritten eine Atmosphäre archaischer Lust am rohen elektronischen Klang.

Eintritt frei

Live Event!
Samstag, 27.10. 2007, 20 Uhr

ad hoc music: go guitars
Gunnar Geisse - electric laptop guitar
Harald Lillmeyer - electric guitar, electronics
Adrian Pereyra - electric guitar, electronics

Das extravagante E-Gitarrenensemble, das 1997 anlässlich der Aufführung der Komposition "go guitars" von Lois V Vierk gegründet wurde und sich fortan der Interpretation Neuer und neuester zeitgenössischer Musik widmete kann auf eine erfolgreich langjährige Konzerttätigkeit zurückblicken; ein Höhepunkt war 2005 das Concerto Grosso "Wachstum" für E-Gitarren und großes Orchester von F. Zeller, das Go Guitars mit dem Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks in München unter der Leitung von Frank Ollu uraufführte.

Parallel dazu formuliert das Ensemble seit geraumer Zeit seine eigene Sprache. Dabei sind die Improvisation und das musikalisch-instrumentale Experiment wichtige Faktoren. In seiner ungewöhnliche Besetzung schafft dieses erfahrene Ensemble aufregend komplexe und zugleich sinnliche Klangwelten.

Eintritt 14,- € erm. 10,- €

Live Event!
Donnerstag, 08.11. 2007, 20 Uhr

Wolfgang Dorninger
8K=8K+-(G)<>(A)<>(N)
Remix und Internet Konzert

Das aktuelle Projekt 8K=8K+-(G)<>(A)<>(N) des Linzer Klangkünstlers Wolfgang Dorninger schafft mit Hilfe hybrider Klangbearbeitungstechniken ein kraftvollen Rück- und Brückenschlag zum Thema des DEGEM Symposium Remix-Re? der letzten t-u-b-e Saison.

8K=8K+-(G)<>(A)<>(N) ist ein Remix-Konzert basierend auf Dorningers CD "8K" (base records). "8K" (Techno, IDM, Breaks) ist der Urzustand, das Material das Live klar definierten Bearbeitungs-Prozessen unterworfen wird. G (granulare/digitale Bearbeitung), A (analoge Traktierung mittels Dubplates - Schallplatten) und N (Internetbearbeitung mittels des von der t-u-b-e entwickelten tubePlugs). Die Bearbeitungs-Prozesse sind mit G, A & N klar definiert, offen hingegen ist Auswahl, Eingriff und Partizipation. 8K=8K+-(G)<>(A)<>(N) spannt einen sehr breiten Bogen zwischen Schärfe und Unschärfe, zwischen Original und Zitat, zwischen Digital und Analog, zwischen Egotrip und collective composition, zwischen live und Archiv, Echtzeit und Verzögerung.

Eintritt frei

Live Event!
Donnerstag, 06.12. 2007, 20 Uhr

Klammer Gründler Duo
DARM, HAUT, STROM

Aktuell arbeiten Klammer und Gründler vor allem mit konkreten Geräuschen, Computern oder Effekt-Prozessoren neben Gitarren und Schlagzeug. Das Duo schüttelt die oft strenge, überanstrengt wirkende, synthetische Ausstrahlung der Computermusik ab, und macht diese lebendig und anschaulich.

Das neue Bühnenkonzept stellt eine Interaktion, eine Modulation, eine Transformation, ein Interface zwischen Klammer und Gründler her. So moduliert in Echtzeit der Klammer den Gründler, der Gründler den Klammer, Klammer/Gründler den Klammer und so weiter.

Eintritt frei

Live Event!
Samstag 08. bis Sonntag 09.12.2007, jeweils 10 bis 18 Uhr

Workshop v.v.v.v.
Videosynthese in Echtzeit
Tebjan Halm & Philipp Rahlenbeck

Die visuelle Programmiersprache VVVV (http://vvvv.org) ist der letzte Schrei in VJ-Kreisen. Sie wurde von dem Designbüro MESO entworfen um die Entwicklung von großen interaktiven Medieninstallationen mit physikalischen Interfaces, Animationen sowie Audio und Video zu erleichtern. Da Künstler in der t-u-b-e auch immer wieder hybride Video- und Audioansätze erproben, möchten wir mit diesem einzigartigen Workshopangebot über die Vermittlung technischer Grundlagen interaktiven Videoprozessings schnell zu einer inhaltlichen Diskussion über die Ästhetiken hybrider Audio/Video Systeme gelangen.

Der Workshop richtet sich sowohl an Musiker als auch an Videokünstler und VJs, die die Möglichkeiten der Echtzeitanimation erforschen möchten. Einer der VVVV Entwickler Tebjan Halm und der Münchner VJ Philipp Rahlenbeck zeigen anhand ausgewählter Projektbeispiele wie mit Hilfe der VVVV Freeware (Windows PC oder Mac mit Bootcamp) relativ einfach komplexe Medieninstallationen und live Performances realisiert werden können. Dabei legen sie den Focus auf automatische Umsetzungen von Klängen und Musik in generierte Bilder.

Anmeldung bitte mit Namen, Adresse und Telefonnummer an Jörg Stelkens. Der kostenlose, zweitägige Workshop ist auf 6 Teilnehmende begrenzt und es zählt die Reihenfolge des Anmeldungs-Eingangs.

Eintritt frei (nach Anmeldung)

Live Event!
Montag, 10.12. 2007, 20 Uhr

ad hoc music: Humcrush & Sidsel Endresen
Ståle Storløkken - keyboard
Thomas Strønen - drums, electronics
Sidsel Endresen - voice

Stale Storløkken, Keyboarder von Supersilent, und Thomas Strønen, Drummer in der Elektro-Avantgarde-Band Food, verweben sperrige Sounds aus dem Computer mit den Klängen ihres analogen Instrumentariums. "Humcrush", der Name des Duos charakterisiert die Musik: "Hum" steht für "summen" oder "brummen", "crush" sowohl für "Gewühl" als auch "zerquetschen". Kreischende, knarzende Sounds, vertrackte Rhythmus-Gewitter und seltsam ungeschliffene Keyboard-Stimmen, die nach 70er-Sci-Fi und Atari klingen, mixen die Norweger zu einem pulsierenden Klanggebilde, das der markanten Stimme ihrer Wunschpartnerin Sidsel Endresen sehr entgegen kommt.

Norwegens herausragende Vocalistin experimentiert, ist ein Labor in sich. Ihr vocale Technik ist genauso beeindruckend wie ihre Fähigkeit, die stimmlichen Ereignisse puristisch in eine unverwechselbare poetisch Form zu gießen. 2006 hat sie mit "ONE" eine höchst bemerkenswerte Solo-CD veröffentlicht (Sofa521). Bekannt wurde sie u.a. durch ihre Zusammenarbeit mit Bugge Wesseltoft und Nils Petter Molvær.

Eine Veranstaltung des Jazzclub Unterfahrt in der t-u-b-e.
Eintritt 14,- € erm. 10,- €

Das aktuelle Programm wird im Internet unter www.t-u-b-e.de und im Fließsatz der Tagespresse veröffentlicht.

Programmänderungen vorbehalten.