Programmvorschau April / Mai 02
 

Live Event!
Donnerstag 11. bis Sonntag 14. April 2002

"ambiophonie naturelle"
- crossings -

Audio-visuelle Installation von Peer Quednau

Peer Quednau thematisiert als Reisender das Hören. seine Klanglandschaften entsehen in der Durch-schneidung des natürlichen Raumes - jenseits synthetischer Klangerzeugung. mit dem Fahrrad als Medium der Raumerfahrung erzeugt Quednau Audiophonie durch Körperenergie. die biodynamische Synergie von Körperlichkeit und Maschine bedeutet Bewegung und Fortbewegung. in ihr werden die Ruhegeräusche des Espace Naturel hörbar - als begleitender, rollender Klangteppich. diffuse, nur aufflackernde Geräusche wer-den in der symbiosehaften Zirkulation der Energie zwischen Maschine und Körper mitgetragen und in der Versetzung im Raum neu definiert - Peer Quednau taucht in die Landschaften ein, durchschneidet sie in der Geschwindigkeit der Fortbewegung und setzt sie in seinem Unterbewusstsein zu neuen Klanglandschaften zusammen. als Spuren der bereisten Klanglichkeit werden die Ruhegeräusche und die Visualität eines Ge-sichtes ausgestellt, das die Geräusche erfährt und erfahren hat - Texte bilden in der Ferne des Hörens die Gedankensilhouette.

Peer Quednau wurde 1969 in Pirna geboren und studierte Tonstudiotechnik. In seinen Kompositionen und Projekten im öffentlichen Raum setzt sich Peer Quednau immer mehr mit der urbanen Klangstruktur ausein-ander. Seit 1998 stellt er Klangobjekte her und entwickelt eine Philosophie des Klanges ohne Lautsprecher.

Live Event!
Donnerstag, 18. April 2002, 20.00 Uhr

"An den deutschen Mond"

Gruppe "arbeit"
Oliver Augst, Marcel Daemgen, Christoph Korn, Alexandra Maxeiner

Je tiefer sie in die Schatztruhe des musikalischen Volksvermögens greifen, desto mehr spielen sie mit in der obersten Liga der deutschen Liedkomponisten - auf Augenhöhe mit Gustav Mahler und Hanns Eisler: Oliver Augst, Marcel Daemgen und Christoph Korn. "Lieder aus der Frankfurter Knaben Wunderhorn" könnte man, frei nach Gustav Mahlers Volkslied-Bearbeitungen die vierzehn Stücke nennen, die unter dem Titel "An den deutschen Mond" von "Maikäfer flieg" bis "Das Heideröslein" von den drei Musikern versammelt wurden. Man kennt die Vorlagen alle, aber so gehört

hat sie noch keiner. Bis zur Kenntlichkeit entstellt, ausgespart, reduziert, überformt und in jedem Moment wie gerade eben in seiner ganzen Vieldeutigkeit von Ironie, Angst, Witz und Melancholie erschaffen - das ur-deutsche Liedgut. Oft sind es nur ein paar Sampler-Schleifen, ein kleines Harmonie-Knötchen, dort ein kurz pieksendes, rhythmisches Stecknadelkissen, zwei, drei Akkordflicken, ein beiläufiges, elektronisches Kreuz-nadelmuster, und die längst im Schlabberlätzchen des musikalischen Vorbewussten verschwundenen Klän-ge der ersten, kindlichen Faszination stehen riesengroß und ergreifend vor einem.

Anlässlich Ihrer CD-Veröffentlichung "An den deutschen Mond" wird die Frankfurter Gruppe arbeit eine per-formative Version ihres Programms in der t-u-b-e inszinieren.

Oliver Augst (Frankfurt) Performer, Komponist, Bühnenbildner studierte visuelle Kommunikation mit Schwerpunkt Bühne an der Hochschule für Gestaltung in Offenbach und Popularmusik/Performance und an der Hochschule für Musik und darstellende Kunst in Hamburg. Er erhielt verschiedene Stipendien (Ateliersti-pendium des Künstlerhauses Mousonturm (Frankfurt 1991-93), DAAD Stipendium für freie Kunst (Wien 1994); Stipendium für Komposition an der Akademie Schloß Solitude (Stuttgart 1995) .1998 Gründung von "TEXTxtnd" (Produktionskollektiv, Label).
Seit 1999 Co-Kurator von "pol", festival neue musik im Künstlerhaus Mousonturm, Frankfurt am Main. Er ist Lehrbeauftragter an der University of Applied Sciences, Frankfurt.

Marcel Daemgen, 1965, seit 1989 freischaffender Komponist, Produzent und Live-Musiker in den Bereichen elektronische - , noise - und Popmusik. Klassische Musikausbildung mit Schwerpunkt Klavier und Studio-technik. Zahlreiche CD-Veröffentlichungen mit den Gruppen, "freundschaft" und "arbeit". Musik für Ballett, Film und Theater. Mitglied des Labels, Performance- und Internetprojekt TEXTxtnd.

Christoph Korn, geb. 1965, studierte Politologie, Soziologie und Philosophie in Frankfurt/M. Seit 1989 Ar-beit als freischaffender Musiker und Komponist. Neben seiner Konzerttätigkeit (Gitarre/Elektronik) entstan-den zahlreiche Kompositionen für verschiedene Besetzungen, audio art Arbeiten, Sprechstücke, hermeneu-tische Aktionen, Filmmusiken, Texte. Seit 1999 ist er Co-Kurator von "pol", festival neue musik im Künstler-haus Mousonturm, Frankfurt am Main. Er ist Dozent für Ästhetik und Improvisation an der University of Ap-plied Sciences, Frankfurt.

Alexandra Maxeiner, geb. 1971, Studium der Theaterwissenschaft, Filmwissenschaft und Ethnologie (M.A.) in Mainz. Autorin für "Theater die Schmiere"; Staatstheater Mainz, HR XXL und HR 1. Diverse Sprach- und Gesangsprojekte für den Hessischen Rundfunk. Freie Schauspielerin bei verschiedenen Produktionen, z.B. Kammeroper Frankfurt und Theater am Fluss (Mainz).

Die CD wird im Nachklang zu dieser Performance in der Zeit vom 19. bis 24. April, jeweils um 20.30 Uhr eingespielt.
 

Live Event!
Donnerstag, 2. Mai, 20 Uhr

"Geometrie des Klangs" (2001)

Drei Versuche zur akustischen Erkundung des Raumes
8-Kana-Klanglinstallation von Thomas Gerwin, inter art project

Satz 1. Rollenspiel pr2
Satz 2. Fortschritt
Satz 3. Punktum

pr2 lautet die Formel, mit der der Inhalt eines Kreises berechnet werden kann. Wenn wir Kugeln zuhören, die in einer Schale zu rotieren beginnen, kann zwischen ihren Kreisbahnen etwas in Gang kommen, das an noch ganz andere Inhalte denken lässt als jene der Geometrie: an ein Rol-lenspiel im buchstäblichen Sinne. Wenn ein Raum von energischen Schritten durchmessen wird, kann uns die Richtung so etwas wie "Fortschritt" fühlen lassen. Bleibt es dabei, wenn die Schritte die Richtung wechseln? Nur was sich bewegt, kann klingen - und sei es die Schwingung einer Lautsprechermembran. Wenn viele solcher punktförmiger Schallquellen über den Raum verteilt sind, ist es unser Hören selbst, das die Bewegungen stiftet. Auch wo unsere Phantasie nicht durch Worte angeregt wird, gibt es das Imaginationspotential der Geräusche. Kreis und Kugel, Quader und Punkt markieren die Szenerie dieser drei Versuche zur akustischen Erkundung des Raumes. In der Abstraktion geometrischer Koordinaten werden Gestalten wahr-nehmbar, die freier sind, als alles mit Worten Erzählte. (Hans Burkhard Schlichting)

Das radiophone Werk wird beim t-u-b-e-Konzert vom Komponisten auf einem 8-kanaligen Laut-sprecherorchester live spatialisiert.

Thomas Gerwin (*1955) ist klassisch ausgebildeter Komponist und Medienkünstler. Er kam sehr früh zur elektroakustischen Musik. Zur Zeit arbeitet er im eigenen Studio vor allem im Bereich Klang- und Video-Installationen und komponiert radiophon. Werke von ihm sind weltweit auf 9 CDs und 3 CD-ROMs erschienen, er komponierte 5 experimentelle Filmmusiken und erhielt verschie-dene Preise und Stipendien (u.a. Karl-Sczuka-Förderpreis 1999, Selection Award des American Composers Forum). 2000 übernahm er im Auftrag der Europäischen Union die Komposition vom "Europahaus" auf der EXPO 2000 Hannover.

Eine Veranstaltung der t-u-b-e in Zusammenarbeit mit dem SWR.

Die Installation ist bis 8. Mai von 20.30 Uhr bis 22 Uhr geöffnet.

Live Event!
Samstag, 11. Mai, 20.30 Uhr

"sooor"

6-kanal echtzeitkomposition für interactive transformed guitar
von Andreas Paolo Perger


Im Mittelpunkt der autobiographischen musikalischen Erzählung im Spannungsfeld von Abstraktion und Narration steht der unmittelbare kognitive Dialog zwischen Hörer und Spieler. Musikalische Eckdaten und Parameter spiegeln sich situationsbedingt an der räumlichen Oberfläche unvorher-sehbarer Momente (playing on demand, room walking, public composing).

Der in München und Rom lebende österreichische Gitarren-Virtuose und Crossoverspezialist lässt die Gitarre mittels spezieller Elektronik räumlich erlebbar werden. Nach dem ersten vorgegebenen Satz sind die sitzenden oder sich im Raum bewegenden Hörer aufgefordert, die weiteren vier Sät-ze mit Stichworten und kleinen Handaufnahmegeräten zu beeinflussen.


Live Event!
Donnerstag, 18. Mai, 20 Uhr,
Achtung - anderer Ort: Gasteig - Blackbox

"Hisatsinom, über das Verschwinden"
Audiovisuelle Performance von Wolfgang Fadi Dorninger

Mit Wolfgang Dorninger, Martha Breit, Manu Pfaffenberger, Dietmar Bruckmayr
Virtueller Performer: David Eugene Edwards


Chaco Canyon war das Zentrum und Archiv für das religiöse und esoterische Wissen der Hisatsi-nom (800 b.c. - 1350 a.d.), aber auch eine Art Kalender für Zeremonien und Riten. Ihre Pueblos wurden beim Bau exakt auf die Zyklen des Mondes und die Bewegung der Sonne ausgerichtet, um auf diese Weise ihr kosmologisches Weltbild auszudrücken. Aber innerhalb von zwei Generationen kollabierte diese Hochkultur und zerbrach dabei rasant (um 1300).

Das Stück "Hisatsinom, über das Verschwinden" basiert auf dieser Kulturgeschichte, bezieht sich aber großteils auf Phänomene des Verschwindens in unserer Zeit. Es besteht aus 10 Stücken, die alle ineinander greifen. Das Thema: Das Verschwinden oder die Transformation kultureller Codes. Die Stücke tragen Titel wie: "The Chacoan Complex", "Synchronised Minds", "Relation, Etappe der Beliebigkeit", "Kollektive Halluzination" oder "Silence" und behandeln Themen wie das Verschwin-den von Kulturen, die Synchronisation des Einzelnen oder den Funktionalismus in der Musik.

Elektroakustische Musik:

rune grammofon - new music from the north
Label-Präsentation


Das norwegische Label rune grammofon wurde 1997 von Rune Kristofferson ins Leben gerufen. Er ist ebenso Manager wie eine Größe in der Musikszene und kann auf eine lange Geschichte zu-rückblicken. In den frühen 80er Jahren war Kristofferson eine Hälfte des Electropop Duo "Fra Lip-po Lippi". FLL landete Hits in England, Japan und (merkwürdigerweise) auf den Philippinen, eben-so wie in ihrem Heimatland Norwegen. Das Duo produzierte für geraume Zeit unter der Schirm-herrschaft von Steely Dan's Walter Becker und wurde von einem Kritiker als "Joy Division plus Pop plus Jazz" beschrieben. Das alles gehört für Kristofferson der Vergangenheit an, bis auf die Tatsa-che, dass auch rune grammofon seinen eigenen Raum zwischen den Genres findet. Die derzeit große Spannbreite umfasst elektronische Improvisation ebenso wie elektro-akustische Musik, Mu-sique concrète und alternate Rock sowie "arctic ambient" Musik (erhältlich über ECM records).
Die t-u-b-e präsentiert in Zusammenarbeit mit ECM records eine 13-teilige Reihe mit elektroakusti-scher Musik, die einen hervorragenden Überblick über die norwegische Szene bietet.

Donnerstag, 23. Mai, 20.30 Uhr
Arne Nordheim - Electric
biosphere / deathprod - nordheim transformed


Freitag, 24. Mai, 20.30 Uhr
Supersilent 4
Spunk - Det eneste jeg vet er at det ikke er en st


Samstag, 25. Mai, 20.30 Uhr
Love comes shining over the mountains - Compilation
Phonophani - Genetic engineering


Sonntag, 26. Mai, 20.30 Uhr
Tore Elgarøy - The sound of the sun
Supersilent 5


Donnerstag, 30. Mai, 20.30 Uhr
Luigi Archetti / Bo Wiget - Low tide digitals
Spunk - Filtered through friends


Freitag, 31. Mai, 20.30 Uhr
Monolight - Free Music
Alog - Duck-Rabbit

Hörspielprogramm:

Hörspiele von George Tabori
(Wiederholung)  

Donnerstag, 25. April, 20.30 Uhr
Weißmann und Rotgesicht
Hörspiel von George Tabori
Regie: Jörg Jannings
Komposition: Birger Heymann
Produktion: NDR Hamburg, 1978

Auf die Frage, für wen er schreibe, hat Tabori, der 1932 aus Ungarn emigrierte und seither in sechzehn Län-dern wohnte, einmal geantwortet: "Dieses Problem hatte ich immer als Schriftsteller, der sich im Exil fühlt. Ich habe es zu bewältigen versucht, indem ich darüber geschrieben habe, es hat sich eben als Thema aller meiner Romane angeboten: der Gegensatz von Außenseiter und Einheimischen".

Der Jude Arnold Weissmann ist auf dem Weg nach New York, um in dem Park Ecke Riverside/ 99. Straße die Asche seiner an einem verspäteten Weisheitszahn verstorbenen Frau Bella auszustreuen. Im Gebirge, wo er sich verirrt, trifft er einen jungen Indianer. Zwischen den beiden Außenseitern entwickelt sich ein ritual-hafter Kampf, den nur einer von ihnen überleben wird. George Tabori sagt über sein Stück: "It is, of course, a love-story" und "der Irrationalismus macht sich nicht davon, wenn wir ihn mißbilligen: denn schließlich ist er ein Teil von jedem von uns."

Biographische Kurznotiz zu George Tabori
George Tabori, 1914 in Ungarn geboren, emigrierte 1933 nach England, arbeitete seit '43 für die BBC, ging dann als Drehbuchautor nach Hollywood und kam 1969 nach Deutschland. Für das Hörspiel 'Weißmann und Rotgesicht' erhielt er 1978 den Prix Italia.
 

Freitag, 26. April, 20.30 Uhr
Die 25. Stunde
Hörspiel von George Tabori
Regie: George Tabori
Produktion: RIAS, 1978

Die Geschichte der "25. Stunde" spielt in Hollywood, in Taboris Augen die große "Nekropole" Nordamerikas. Es geht um die Angst vor dem Tod. In der Hauptfigur des Stückes, Arthur Prince, wird das untergegangene Hollywood gespiegelt. Die Gespräche in der Familie und unter Freunden kreisen ständig um das Thema Krankheit und Tod. Einen ersten Höhepunkt bildet ein Festbankett beim letzten Großmogul Hollywoods, der Krankheiten haßt und den von düsteren Vorahnungen seines nahen Endes geplagten Arthur zum schmerz-haften Schlemmen zwingt. In einer Traumsequenz bekommt Prince den Osacer für den besten Tumor des Jahres. Von diesen übersteigert realistischen Szenen, die mit zynischen, sarkastischen Sätzen gewürzt sind und vom Autor als "Kidding" verstanden werden, hebt sich die Therapieszene formal wie auch inhaltlich deut-lich ab. Arthur Prince wird in einer Marathon-Sitzung von einer Therapeutin behandelt, die eine Technik kombiniert aus Gestaltungstherapie von Perls ("Wehre dich nicht gegen den Schmerz, werde zum Schmerz") und Janovscher Urschreitherapie anwendet. Hier durchläuft er alle Stadien seiner Kindheit bis zur Geburt und gewinnt die Erkenntnis: "Mein Leben war ein einziges Zögern, geboren zu werden". In einem langen Monolog -einer Huldigung an seinen gestorbenen Hund - zeigt sich Arthur Preince geheilt von seinen Ängs-ten und bereit zu sterben. Der Schluß -so gebrochen, gespalten zwischen Ironie und unausweichlichem Frust - ist happy end und Desillusionierung zugleich.
 

Samstag, 27. April, 20.30 Uhr
Mutters Courage
Hörspiel von George Tabori
Regie: Jörg Jannings
Produktion: RIAS/NDR/SDR, 1979

Tabori erzählt die Geschichte der Deportation seiner Mutter von Budapest nach Ausschwitz und die Ge-schichte ihrer Rettung - einer Rettung durch das, was er ihre "Courage" nennt. Es ist vielleicht auch Taboris zärtlichste Geschichte, in der Sohnesliebe sich die Freiheit nimmt, nichts über die Mutter zu verschweigen, Tabus zu mißachten - gewissermaßen im stillen Einverständnis mit ihr. Dies ist also auch eine Geschichte über das Geschichtenerzählen, und über Geschichte, deren Grausamkeit, wie immer bei Tabori, durch Ko-mik und Witz begreifbar und zugänglich gemacht wird.
 

Sonntag, 28. April, 20.30 Uhr
Der Voyeur
Hörspiel von George Tabori
Aus dem Englischen von Ursula Grützmacher
Regie: Jörg Jannings
Musikalische Mitarbeit: Birger Heymann
Produktion: RIAS/NDR/SDR, 1981

Die Handlung stellt einen imaginären Prozess gegen den New Yorker Juden Mr. Dryfoos das, der verdäch-tigt wird, an der Tötung eines schwarzen Jungen mitschuldig zu sein. Doch dies ist nur die äußere Handlung, wie immer bei Tabori spielt sich das Eigentliche in Schichten darunter ab. Jörg Jannings hat das Hörspiel mit George Tabori in der Hauptrolle und seiner Theatergruppe produziert.
 

Dienstag, 14.Mai, 20.30 Uhr
Jubiläum
Hörspiel von George Tabori
Aus dem Englischen von Ursula Grützmacher
Regie: Jörg Jannings
Komposition: Stanley Walden
Produktion: RIAS/BR,1983

50 Jahre nach der Machtübernahme Adolf Hitlers setzt sich George Tabori mit Erscheinungen des Neonazismus in Deutschland auseinander. Vergangenheit und Gegenwart, KZ, Kindermord, alte Parolen, antisemitische Hetze und neuer Ausländerhaß erscheinen in diesem Stück nebeneinan-der: "Der braune Schoß ist noch fruchtbar" (G.Tabori).
"Der surreal-makaber anmutende Rahmen des Stückes - es spielt auf einem Friedhof mit toten Ak-teuren, die, von einem kleinen, ihre Gräber schändenden Neonazi in ihrer Ruhe gestört, gezwun-gen sind, sich des eigenen, mögliche Metamorphosen einschließenden Schicksals zu erinnern - ist nicht zufällig gewählt; er entspricht der Perversion des Humanen, die noch immer Opfer fordert. 'Jubiläum', dieser Tour d'horizont der letzten 50 Jahre, vermittelt ein ergreifendes Bild, das dank der außergewöhnlichen schauspielerischen Leistungen, der hervorragenden Regie und der Musik von Stanley Walden, in die tieferen Schichten des Bewußtseins eindringt und jeden Zuhörer zur Reflexion über die Verschränkung der Vergangenheit und Gegenwart zwingt" (Aus der Begrün-dung der Jury zur Verleihung des Hörspiels des Monats Oktober 1983).


Mittwoch, 15.Mai, 20.30 Uhr
Mein Kampf
Hörspiel von George Tabori
Aus dem Amerikanischen von Ursula Tabori-Grützmacher
Regie: Jörg Jannings
Komposition: Klaus Buhlert
Produktion: RIAS/ORF/SR/BR, 1988

Der historische Ausgangspunkt: In den Jahren 1908 bis 1913 wohnte Hitler in verschiedenen Wie-ner Asylen und Männerwohnheimen. Eine Zeit, in der sich Hitlers Antisemitismus voll ausprägte. Taboris Hitler kommt ins Obdachenlosenasyl in der Wiener Blutgasse, in einen Keller unter der Schlachterei der Frau Merschmeier. Dort trifft er auf den alten Juden Schlomo Herzl und dessen etwas verrückten Freund Lobkowitz, der Koscher-Koch war und sich für den Gott der Juden hält. Der gutmütige Herzl spielt dieses Spiel mit. Herzls Traum: Er wird ein Buch über sein Leben schreiben. Der Titel: "Mein Kampf". Doch vorerst verkauft er ambulant die Bibel und das Kamasut-ra und kümmert sich um den ungehobelten Burschen aus Braunau am Inn, der sich mit Bildern wie "Kukuruz im Zwielicht" in der Kunstakademie vorstellt und wegen mangelnder Begabung abgewie-sen wird. Schlomo, grenzenlos in seiner Liebe, tröstet ihn. Er redet ihm zu, in die Politik zu gehen und schützt ihn letztendlich vor dem Tod.


Donnerstag, 16. Mai, 20.30 Uhr
Wie man glücklich wird, ohne sich zu verausgaben
Hörspiel von George Tabori
Aus dem Amerikanischen von Ursula Tabori-Grützmacher
Regie: Jörg Jannings
Komposition: Klaus Buhlert
Produktion: RIAS/SWF, 1991

Tabori selbst gestaltet die Rolle des weisen Meister Zwi, der im alten Babylon einer Truppe von desorientierten Schauspielern gute Ratschläge für die Kunst des Glücklichseins gibt. Eingebettet in diesen Rahmen sind mehrere Geschichten, darunter die von Ödipus und seiner Mutter Jokaste sowie die des greisen Verführers Don John, der in einem Palazzo in Venedig einem Freudenmäd-chen seine letzten Gedanken offenbart.



Freitag, 17. Mai, 20.30 Uhr
Die Ballade vom Wiener Schnitzel
Hörspiel von George Tabori
Übersetzt von Ursula Grützmacher
Regie: Jörg Jannings
Komposition: Klaus Buhlert
Produktion: DLR Berlin, 1996

Morgenstern, der jüngste Kritiker Wiens, hat einen Alptraum. In einem exklusiven Restaurant war-ten Gäste und Wirt Hermann auf die Preisvergabe des Kronawitter Guide. Hermann hofft vergeb-lich auf einen Stern für sein Wiener Schnitzel. Die schleimende Untertänigkeit von Gästen und Wirt verwandelt sich schlagartig in antisemitische Aggression...

Der Eintritt zu den Veranstaltungen in der t-u-b-e ist frei
Das aktuelle Programm wird im Internet unter www.t-u-b-e.de und im Fließsatz der Tagespresse veröffentlicht.

Programmänderungen vorbehalten.