Programmvorschau März 02
 

Live Event!
Freitag, 1. März, 20 Uhr
Nachtkarst
Mehrkanalhörstück - Uraufführung mit Premierenfeier!
Komposition und Realisation: Helga Pogatschar, Text und Regie: Károly Koller, Darsteller: Merit Ostermann, Detlef Kügow, Herbert Schäfer

In Nachtkarst unternimmt die Komponistin Helga Pogatschar und der Lyriker und Höhlenforscher Károly Koller die gemeinsame Expedition in die dunkle Welt der Höhlen.
Die Rahmengeschichte erzählt ein historisches Tondokument: Im Herbst 1992 wurden der Höhlen-forscher Gerald Hubmayr und Rudolf Keller in der österreichischen Junihöhle im Toten Gebirge von einem Wassereinbruch überrascht und dort über längere Zeit eingeschlossen. Dabei führten sie auf einem Diktiergerät eine Art Tagebuch, in dem sie mal mit Humor und Selbstironie, mal vol-ler Angst über ihre augenblickliche Lage berichten.
In diesem Stellungskrieg der beiden Höhlenforscher gegen Kälte, Nacht und Zeit öffnen sich Ge-dichte Károly Kollers wie Traumfenster in eine unterirdische Landschaft. Bruchstücke einer Expedi-tion werden sichtbar: der Aufstieg zum Höhleneingang, das Absteigen in immer größere Tiefen, das Eintauchen in die Stille des Bergmassivs.
Die Komponistin Helga Pogatschar macht sich in dem Stück das Gestaltungsprinzip der Höhle zu eigen: Der zunächst minimalistische Klang mündet unversehens in ein Labyrinth aus Tönen und Geräuschen. Gesang, Baßklarinette, Cello, Querflöte und Kirchenorgel verbinden sich zu einem komplexen Höhlensystem, verengen sich dann wieder zu einem einzigen Ton, der wie ein Durch-schlupf in ganz neue Klangräume führt. Stille, Kälte, Nacht und Zeit sind die wiederkehrenden Themen des Hörstücks. Die Expedition gerät zum Tiefenvorstoß in das Innere des Menschen.

Die Ursendung wird in Stereo am 1. März 2002 um 0:05 Uhr im DeutschlandRadio Berlin ausge-strahlt.
Das Mehrkanalhörstück ist bis einschließlich Mittwoch, 6. März 2002 in der Zeit von 20.30 bis 22.00 Uhr zu erleben.
 

Donnerstag, 7. März, 20.30 Uhr
Weißmann und Rotgesicht
Hörspiel von George Tabori
Regie: Jörg Jannings
Komposition: Birger Heymann
Produktion: NDR Hamburg, 1978

Auf die Frage, für wen er schreibe, hat Tabori, der 1932 aus Ungarn emigrierte und seither in sechzehn Ländern wohnte, einmal geantwortet: "Dieses Problem hatte ich immer als Schriftsteller, der sich im Exil fühlt. Ich habe es zu bewältigen versucht, indem ich darüber geschrieben habe, es hat sich eben als Thema aller meiner Romane angeboten: der Gegensatz von Außenseiter und Einheimischen".

Der Jude Arnold Weissmann ist auf dem Weg nach New York, um in dem Park Ecke Riverside/ 99. Straße die Asche seiner an einem verspäteten Weisheitszahn verstorbenen Frau Bella auszu-streuen. Im Gebirge, wo er sich verirrt, trifft er einen jungen Indianer. Zwischen den beiden Außen-seitern entwickelt sich ein ritualhafter Kampf, den nur einer von ihnen überleben wird. George Ta-bori sagt über sein Stück: "It is, of course, a love-story" und "der Irrationalismus macht sich nicht davon, wenn wir ihn mißbilligen: denn schließlich ist er ein Teil von jedem von uns."

Biographische Kurznotiz zu George Tabori
George Tabori, 1914 in Ungarn geboren, emigrierte 1933 nach England, arbeitete seit '43 für die BBC, ging dann als Drehbuchautor nach Hollywood und kam 1969 nach Deutschland. Für das Hörspiel 'Weißmann und Rotgesicht' erhielt er 1978 den Prix Italia.
 

Freitag, 8. März, 20.30 Uhr
Die 25. Stunde
Hörspiel von George Tabori
Regie: George Tabori
Produktion: RIAS, 1978

Die Geschichte der "25. Stunde" spielt in Hollywood, in Taboris Augen die große "Nekropole" Nordamerikas. Es geht um die Angst vor dem Tod. In der Hauptfigur des Stückes, Arthur Prince, wird das untergegangene Hollywood gespiegelt. Die Gespräche in der Familie und unter Freunden kreisen ständig um das Thema Krankheit und Tod. Einen ersten Höhepunkt bildet ein Festbankett beim letzten Großmogul Hollywoods, der Krankheiten haßt und den von düsteren Vorahnungen seines nahen Endes geplagten Arthur zum schmerzhaften Schlemmen zwingt. In einer Traumse-quenz bekommt Prince den Osacer für den besten Tumor des Jahres. Von diesen übersteigert realistischen Szenen, die mit zynischen, sarkastischen Sätzen gewürzt sind und vom Autor als "Kidding" verstanden werden, hebt sich die Therapieszene formal wie auch inhaltlich deutlich ab. Arthur Prince wird in einer Marathon-Sitzung von einer Therapeutin behandelt, die eine Technik kombiniert aus Gestaltungstherapie von Perls ("Wehre dich nicht gegen den Schmerz, werde zum Schmerz") und Janovscher Urschreitherapie anwendet. Hier durchläuft er alle Stadien seiner Kind-heit bis zur Geburt und gewinnt die Erkenntnis: "Mein Leben war ein einziges Zögern, geboren zu werden". In einem langen Monolog -einer Huldigung an seinen gestorbenen Hund - zeigt sich Ar-thur Preince geheilt von seinen Ängsten und bereit zu sterben. Der Schluß -so gebrochen, gespal-ten zwischen Ironie und unausweichlichem Frust - ist happy end und Desillusionierung zugleich.
 

Samstag, 9. März, 20.30 Uhr
Mutters Courage
Hörspiel von George Tabori
Regie: Jörg Jannings
Produktion: RIAS/NDR/SDR, 1979

Tabori erzählt die Geschichte der Deportation seiner Mutter von Budapest nach Ausschwitz und die Geschichte ihrer Rettung - einer Rettung durch das, was er ihre "Courage" nennt. Es ist viel-leicht auch Taboris zärtlichste Geschichte, in der Sohnesliebe sich die Freiheit nimmt, nichts über die Mutter zu verschweigen, Tabus zu mißachten - gewissermaßen im stillen Einverständnis mit ihr. Dies ist also auch eine Geschichte über das Geschichtenerzählen, und über Geschichte, deren Grausamkeit, wie immer bei Tabori, durch Komik und Witz begreifbar und zugänglich gemacht wird.
 
 

Sonntag, 10. März, 20.30 Uhr
Der Voyeur
Hörspiel von George Tabori
Aus dem Englischen von Ursula Grützmacher
Regie: Jörg Jannings
Musikalische Mitarbeit: Birger Heymann
Produktion: RIAS/NDR/SDR, 1981

Die Handlung stellt einen imaginären Prozess gegen den New Yorker Juden Mr. Dryfoos das, der verdächtigt wird, an der Tötung eines schwarzen Jungen mitschuldig zu sein. Doch dies ist nur die äußere Handlung, wie immer bei Tabori spielt sich das Eigentliche in Schichten darunter ab. Jörg Jannings hat das Hörspiel mit George Tabori in der Hauptrolle und seiner Theatergruppe produ-ziert.

Live Event!
Donnerstag, 14. März, 20.00 Uhr
Audiovisionen im Zeitalter der Netzwerke
Von der "Zauberei auf dem Sender" zu "Frankensteins Netz"
Vortrag mit Internetbeispielen
von Sabine Breitsameter

Eine geheimnisvolle Kreatur nimmt Kontakt auf, per SMS oder E-Mail. Sie lockt auf ihre Webseite und verlangt Futter in Form von Text-, Klang- und Bilddateien: Input, den sie sich sichtbar und hör-bar einverleibt. Und sie will immer mehr, wird größer, autonomer und schließlich unbeherrschbar: http://www.swr2.de/hoerspiel/audiohyperspace
Die Idee von Interaktion und Teilnahme an elektroakustisch medialisierten künstlerischen oder spielerischen Prozessen ist nicht etwa eine Erfindung des digitalen Zeitalters, sondern mindestens so alt wie das Hörspiel selbst. Sabine Breitsameter, Dramaturgin des interaktiven Radio-Internet-Hörspiels "Frankensteins Netz/Prométhée Numérique/Wiretapping the Beast" von Atau Tanaka, federführend produziert vom SWR, stellt Stationen in der Geschichte akustischer Medienkunst vor, welche die Audiovisionen heutiger teilnahme-orientierter Hörspiele vorwegnehmen oder vorberei-ten. Welche neuen Konzepte von Kunst ergeben sich daraus?
 

Hörspiele aus der Hörspielwerkstatt von DeutschlandRadio Berlin

Freitag, 15. März/
Montag, 18. März, jeweils ab 20.30 Uhr
KANAK SPRAK- Mißtöne vom Rande der Gesellschaft
Hörspiel von Feridun Zaimoglu
Regie: Götz Naleppa
Komposition: Ali Aksoy/Michael Rodach
Produktion: DLRBerlin/SDR,1997
Dauer: 51'38

Wie lebt es sich als Kanake in Deutschland? "Kanake" ist nach mehr als 30 Jahren Immigrations-geschichte von Türken nicht nur Schimpfwort, sondern auch ein Name, den "Gastarbeiterkinder" der zweiten und dritten Generation mit stolzem Trotz führen. Zaimoglu hat die wilden und radikal authentischen Bekenntnisse junger Männer türkischer Abstammung literarisch bearbeitet. Ihre "Kanak Sprak", eine Mischung aus heimatlichen Dialekten und Straßendeutsch, fügt sich mit aller Härte und Poesie zu einem schrillen, anarchischen Kanon vom Rande der Gesellschaft.

Biographische Kurznotiz zu Feridun Zaimoglu
Feridun Zaimoglu, 1964 in Bolu (Türkei) geboren, lebt seit fast 30 Jahren in Deutschland, studierte Kunst und Medizin, ist Mitbegründer der türkischen Literaturzeitschrift ARGOS. Seine literarischen Arbeiten ("Kanak Sprak", "Die Deutschländerinnen", "Abschaum") wurden 1996/97 publiziert.

JAM SESSION
- Ein Ars-Acustica-Remix -
Eine Klangkomposition von Götz Naleppa
Produktion: DLR Berlin, 1998
Dauer: 50'18

Im Oktober 1997 traf sich die Ars-Acustica-Workinggroup, eine internationale Arbeitsgruppe von Rundfunkvertretern und Radiokünstlern, im Literarischen Colloquium in Berlin. Gastgeber dieser Jahrestagung waren DeutschlandRadio Berlin und der SFB. Am ersten Abend fand eine "Session" statt, bei der sich viele der Teilnehmer mit kurzen Ars-Acustica-Beispielen aus ihren Ländern vor-stellten.
Im Jazz bedeutet "Jam Session", daß verschiedene Musiker spontan miteinander improvisieren. Diesen Versuch macht der Remix von Götz Naleppa. Unterschiedliche Stimmimprovisationen, Soundscapes und Klangkompositionen werden gemischt, in Beziehung und in einen neuen Zu-sammenhang gebracht: eine Hommage an die Kunstform Radiokunst selbst.

Biographische Kurznotiz zu Götz Naleppa
Götz Naleppa, Jahrgang 1943, Regisseur, Autor und Komponist gehört zu den wichtigsten Pro-gramm-Machern der radiophonen Kunst in Europa. Er studierte Theaterwissenschaften, Germanis-tik, Kunstgeschichte an der FU Berlin mit anschließender Promotion. Seit 1972 ist er als Regisseur für Theater und Hörspiel, als Autor und Übersetzer tätig. Seit1995 ist er für die Reihe Hörspiel-Werkstatt des Deutschlandfunks Berlin verantwortlich, die wöchentliche Beiträge auf den Gebieten Ars acustica, AudioArt und experimentelles Hörspiel sendet.
 

Samstag, 16. März/
Dienstag, 19. März, jeweils ab 20.30 Uhr
THE ULYSSES PROJECT
Hörspiel von Christian Calon
Komposition und Realisation: Christian Calon
Produktion: DLRBerlin/SFB,1998
Dauer: 54'04

1998 fanden internationale Feierlichkeiten zum 50. Geburtstag der musique concrète statt, die 1948 im Studio d'Essai des französischen Radios "geboren" wurde.
"The Ulysses Project" ist eine Hommage an die Schöpfer der akustischen Kunst. Durch die Adapti-on des Ulysses-Themas wird das Hörspiel zu einer Reflexion über die Kunst des Klanges. Es wird eine Komposition entworfen, die in unendlich viele kurze Sequenzen unterteilt ist. Jede dieser Se-quenzen geht einer bestimmten Art der Klangbildung und der damit verbundenen Art der Wahr-nehmung nach.
Der kanadische Komponist und Klangkünstler Christian Calon kam durch ein Stipendium des DAAD nach Berlin, seitdem lebt er in Berlin und Montreal.
 

WINDSCAPES
Hörstück von Andreas Bick
Redaktion: Götz Naleppa
Produktion: DLR Berlin, Hörspiel Werkstatt, 2001
Dauer: 33 min.

Die Wüste als eine durch den Wind geformte Landschaft, als ein Ort der Introspektion, des In-Sich-Hörens, ist der Ausgangspunkt von "windscapes". Der Wind spielt mit den Gegenständen, streicht über den Boden, trägt Sand mit sich, lässt verschiedene Klangkörper im Luftstrom singen und er-möglicht uns, die Formen einer archaischen Landschaft und verlassener Geisterstädte zu erahnen. Das Dünenmeer der Sandwüste, dessen stumme Sandwogen vom Wind immer wieder aufs Neue moduliert werden, und die Rippelmuster auf den Dünenoberflächen erklingen in akustischen Über-setzungen, die die zugrunde liegenden Prozesse der Selbstorganisation erfahrbar machen. Die einfachen Gesetze des Windes, des Sandes und der Schwerkraft reichen, um eine grenzenlose Vielfalt an Formen und Strukturen zu generieren. Sandkorn für Sandkorn ordnet der Wind den Sand zu komplexen Mustern, deren Pulse sich kaleidoskopartig zueinander bewegen und ein hyp-notisches Spannungsfeld repetitiver Rhythmen erzeugen. Die fließenden Formen und Muster des Sandes scheinen sich ins Endlose fortzusetzen ­ wie die Zeit, zu deren Messung der Sand von Al-ters her diente.

CIKORIA - eine Reise, ein Jahr
Eine Klangkomposition von Hanna Hartmann
Komposition und Realisation: Hanna Hartmann
Produktion: DLRBerlin, 1999
Dauer: 35'42

Hanna Hartman hat für ihre "Geräusche des Monats" im DeutschlandRadio Berlin, auf vielen Rei-sen Material gesammelt. Aus den Fundstücken des Jahres 1998/99, die aus Schweden, Rußland, China und Amerika kommen, ist eine Komposition entstanden. Die kleinen Werke sind nie auf den Ort der Aufnahme festgelegt. In Hanna Hartmans Arbeiten entsteht etwas völlig Neues und geo-graphisch Ungebundenes.
So wird auch dieses Klangbild aus zum Teil vertrauten Elementen der "Geräusche des Monats" durch Landschaften, Länder, Städte und Zimmer führen - und doch dem assoziativen Hören einen weiten Raum überlassen.

Biographische Kurznotiz zu Hanna Hartmann
Hanna Hartman, schwedische Radioautorin und Audio-Art-Künstlerin, arbeitet seit 1992 als freie Mitarbeiterin für den Rundfunk. 1998 erhielt sie den "Prix Europa - Marktplatz der Ideen" für ihre "Geräusche des Monats" im DeutschlandRadio Berlin und 2000 den Förderpreis des Karl-Sczuka-Preises für "Cicoria".
 

Sonntag, 17. März/
Mittwoch, 20. März, jeweils ab 20.30 Uhr
WARPED VISIONS OF LAUREN´S VOICE
Hörspiel von Sabine Schäfer
Regie und Komposition von Sabine Schäfer
Sängerin: Lauren Newton
Produktion: DLR Berlin/SR, 2000
Dauer: 49'50
 

"Laurens Stimmkörper atmet, pulsiert, lebt und ist unterwegs, hat sich von Lauren selbst gelöst und entwickelt sein klangliches Eigenleben. Er changiert zwischen organischem Atmen und mechani-schem Pulsieren und nimmt verschiedene Zustände der Bewegung und des Stillstands ein." (Sabi-ne Schäfer)
Die Komponistin unternimmt eine Reise in das Innere der Sängerin Lauren Newton. Einzelne aus-gesuchte Stimmgeräusche wurden digital aufgezeichnet, in kleinste Einheiten zerlegt, untersucht und künstlerisch weiterverarbeitet. Was wie naturwissenschaftliches Arbeiten anmutet, öffnet dem Hörer eine andere, eine neue Welt des Stimmklangs, in der die Reibungen von Mensch und Ma-schine, Fremdheit und vertrauter Körperlichkeit, von Natürlichkeit und Künstlichkeit zu hören sind.

Sabine Schäfer, geboren 1957, ist Komponistin. Für DLR Berlin produzierte sie bereits "AerA-quaAngelusVox".

CHAUNCECLEER - A Medieval Circus on the Canterbury Tales
Hörspiel von Tom Hannes
Regie: Ward Weis und Tom Hannes
Musik: Zefiro Torna
Produktion: DLR Berlin, 2001
Dauer: 52'06

John Cage und sein berühmtes Werk "Roaratorio", die Komposition zu "Finnegans Wake" von Ja-mes Joyce, inspirierten Ward Weis zu diesem Hörstück. Literarische Quelle ist der nie vollendete Text des englischen Dichters Geoffrey Chaucer (1340-1400) "The Canterbury Tales", eine Samm-lung von Versnovellen, die von einer Wallfahrt zum Grabe des heiligen Thomas von Canterbury erzählt. Ganz im Sinne des Meisters Cage nähert sich Tom Hannes dem mittelalterlichen engli-schen Text von Chaucer, spürt in den Worten Klänge, Geräusche, Bilder und Orte auf, um sie in Musik zu setzen. Der Titel "Chauncecleer" ergibt sich aus der Verbindung mit einem Charakter aus Chaucers Erzählungen "Chauntecleer": einem Hahn, der seinen bevorstehenden Tod beherzt ab-wehrt und fürs erste wieder wegschickt.
Tom Hannes, geboren 1970 in Antwerpen, studierte englische Literatur und Malerei. Seit 1993 Re-gisseur und Autor am Theater.
 

Fortsetzung der 8-teiligen Tabori-Hörspielreihe

Donnerstag, 21. März, 20.30 Uhr
Jubiläum
Hörspiel von George Tabori
Aus dem Englischen von Ursula Grützmacher
Regie: Jörg Jannings
Komposition: Stanley Walden
Produktion: RIAS/BR,1983

50 Jahre nach der Machtübernahme Adolf Hitlers setzt sich George Tabori mit Erscheinungen des Neonazismus in Deutschland auseinander. Vergangenheit und Gegenwart, KZ, Kindermord, alte Parolen, antisemitische Hetze und neuer Ausländerhaß erscheinen in diesem Stück nebeneinan-der: "Der braune Schoß ist noch fruchtbar" (G.Tabori).
"Der surreal-makaber anmutende Rahmen des Stückes - es spielt auf einem Friedhof mit toten Ak-teuren, die, von einem kleinen, ihre Gräber schändenden Neonazi in ihrer Ruhe gestört, gezwun-gen sind, sich des eigenen, mögliche Metamorphosen einschließenden Schicksals zu erinnern - ist nicht zufällig gewählt; er entspricht der Perversion des Humanen, die noch immer Opfer fordert.

'Jubiläum', dieser Tour d'horizont der letzten 50 Jahre, vermittelt ein ergreifendes Bild, das dank der außergewöhnlichen schauspielerischen Leistungen, der hervorragenden Regie und der Musik von Stanley Walden, in die tieferen Schichten des Bewußtseins eindringt und jeden Zuhörer zur Reflexion über die Verschränkung der Vergangenheit und Gegenwart zwingt" (Aus der Begrün-dung der Jury zur Verleihung des Hörspiels des Monats Oktober 1983).
 

Freitag, 22. März, 20.30 Uhr
Mein Kampf
Hörspiel von George Tabori
Aus dem Amerikanischen von Ursula Tabori-Grützmacher
Regie: Jörg Jannings
Komposition: Klaus Buhlert
Produktion: RIAS/ORF/SR/BR, 1988

Der historische Ausgangspunkt: In den Jahren 1908 bis 1913 wohnte Hitler in verschiedenen Wie-ner Asylen und Männerwohnheimen. Eine Zeit, in der sich Hitlers Antisemitismus voll ausprägte. Taboris Hitler kommt ins Obdachenlosenasyl in der Wiener Blutgasse, in einen Keller unter der Schlachterei der Frau Merschmeier. Dort trifft er auf den alten Juden Schlomo Herzl und dessen etwas verrückten Freund Lobkowitz, der Koscher-Koch war und sich für den Gott der Juden hält. Der gutmütige Herzl spielt dieses Spiel mit. Herzls Traum: Er wird ein Buch über sein Leben schreiben. Der Titel: "Mein Kampf". Doch vorerst verkauft er ambulant die Bibel und das Kamasut-ra und kümmert sich um den ungehobelten Burschen aus Braunau am Inn, der sich mit Bildern wie "Kukuruz im Zwielicht" in der Kunstakademie vorstellt und wegen mangelnder Begabung abgewie-sen wird. Schlomo, grenzenlos in seiner Liebe, tröstet ihn. Er redet ihm zu, in die Politik zu gehen und schützt ihn letztendlich vor dem Tod.
 

Samstag, 23. März, 20.30 Uhr
Wie man glücklich wird, ohne sich zu verausgaben
Hörspiel von George Tabori
Aus dem Amerikanischen von Ursula Tabori-Grützmacher
Regie: Jörg Jannings
Komposition: Klaus Buhlert
Produktion: RIAS/SWF, 1991

Tabori selbst gestaltet die Rolle des weisen Meister Zwi, der im alten Babylon einer Truppe von desorientierten Schauspielern gute Ratschläge für die Kunst des Glücklichseins gibt. Eingebettet in diesen Rahmen sind mehrere Geschichten, darunter die von Ödipus und seiner Mutter Jokaste sowie die des greisen Verführers Don John, der in einem Palazzo in Venedig einem Freudenmäd-chen seine letzten Gedanken offenbart.
 

Sonntag, 24. März, 20.30 Uhr
Die Ballade vom Wiener Schnitzel
Hörspiel von George Tabori
Übersetzt von Ursula Grützmacher
Regie: Jörg Jannings
Komposition: Klaus Buhlert
Produktion: DLRBerlin, 1996
 

Morgenstern, der jüngste Kritiker Wiens, hat einen Alptraum. In einem exklusiven Restaurant war-ten Gäste und Wirt Hermann auf die Preisvergabe des Kronawitter Guide. Hermann hofft vergeb-lich auf einen Stern für sein Wiener Schnitzel. Die schleimende Untertänigkeit von Gästen und Wirt verwandelt sich schlagartig in antisemitische Aggression...
 
 

Der Eintritt zu den Veranstaltungen in der t-u-b-e ist frei
Das aktuelle Programm wird im Internet unter www.t-u-b-e.de und im Fließsatz der Tagespresse veröffentlicht.

Programmänderungen vorbehalten.